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Im deutschen Reich · 1901-01-01 · Heft 1 (Januar 1901) · p. 61

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 1 (Januar 1901)
Article
Fr. Naumann [Rezension]
Date
1901-01-01
Page
61 (sequence 2)
Language
German
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Bücherschau. 61 Wendigkeit ein Bestandteil der konservativen Gesammtmacht. Lheile von ihnen, die stärker demokratisch angeregt weroen, vertieren ihren prinzipiellen Antisemitismus. Da das Judenthum in Deutschland kein fester, politischer Körper, keine abgegrenzte Nation im Staate ist, kann es auch eine politische Gegenbildung nicht zur Dauerhaftigkeit bringen. Immerhin thut der Antisemitismus den Dienst, daß er ein Element der Dekomposition im konservativen Lager ist." Im Allgemeinen sind in dieser Schilderung die Verhältnisse richtig Wiedergaben. Nur ist freilich der Antisemitismus ein ..Element der Dekomposition", auf gut Deutsch ein Zersetzungsstoff, nicht nur im konservativen Lager, . sondern im gesammten Staats- und Gesellschaftöleben. Wendet er 'sich doch an die niedrigsten Leidenschaften und kann er doch wenigstens in Deutschland Erfolge, namentlich Wahlerfolge nur durch Verlänmdung und Lüge erreichen! Ist es nicht charakteristisch, daß die antisemitischen Zeitungen, trotzdem Drevfus' Unschuld längst erwiesen ist, von ihm noch immer als dem „Verrärher Dreysus" sprechen. Nur dadurch, daß jedes Schamgefühl in Bezug auf Wahrheit und Lüge bei ihnen aufgehört har,' läßt sich auch das Verbalten der antisemitischen Blätter bezüglich der Blutbeschuldigung erklären. ' Da die Antisemiten aber, ebenso wie das Gefühl für Wahrheit, auch das Gefühl für die Heiligkeit des Menschenlebens und das der Unterordnung unter die gesetzmäßigen Organe der Gemeinschaft untergraben, zerstören sie die Grundlagen des gesammten Staatswejens Deshalb sollte auch, wer aus Naumanns Standpunkte steht, den Antisemiten nicht als Verdienst anrechnen, daß sie, ohne es zu wollen, die konservative Partei zersetzen. Durchaus mit Recht betont Naumann, daß das Jndentbum „in Deutich'and kein fester politischer Körper, keine abgegrenzte Nation im Staate" ist. An uns aber liegt es, dafür zu sorgen, daß dres auch so bleibt. Wenn leider nicht nur „der unaristokratische Konservatismus der sogenannten Mtttclstandoparteiler", sondern auch der Bund der Landwirte beute so sehr die Aufgaben eines wahren „Konservatismus" verletzt, daß er antisemitische Gefühle verbreitet und ausnützt, so wäre es von uns unverantwortlich dumm, beide nicht durch Unterstützung ihrer Gegner zu bekämpfen. Im Uebrigen aber muß jeder von uns seiner politischen Ueberzeugung folgen. Jeder Versuch der Nachahmung des Centrums würde unterer Glaubensgemeinschaft recht schlecht bekommen. Beruht doch die Macht des Centrums, durch die es gemeinsame Angriffe aller übrigen Parteien siegreich überstandeu bat, darauf, daß mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung katholisch ist. C. G.

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