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Im deutschen Reich · 1901-01-01 · Heft 1 (Januar 1901) · p. 50

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 1 (Januar 1901)
Article
D. S. Berlin
Date
1901-01-01
Page
50 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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50 Im deutschen Reich. D. L. Berlin. Die „Staatsbürger Zeitung" brachte am L«. v. Mrs. folgende Notiz aus Berlin W.: Bei Aronsohn im Thiergartenvieitel wird, wie ja schon vielfach bei „unfern Leuten" üblich, das Weihnachtsfest gefeiert, und die Judenkinder tummeln sich um den strahlenden Tannenbauln. Plötzlich scheint der kleinen Elsa etwas durch den Kopf zu fabren, sie kommt zu ihrem Vater, gelaufen und fragt: „Du, Papa, feiern die Christen eigentlich auch Weihnachten?" — Wenn nicht wahr, ist es doch gut erfunden! R. L. Berlin. Wenn die antisemitische Presse sich über - die Witze der Reklame-Zeitung des Hcrreufeld-Theaters „Chochem" ereifert, laßt uns dies sehr kalt. Wir finden selbstverständlich an diesen Witzen keinen Geschmack, nehmen aber ohne weiteres an, das; kein vernünftiger Christ diese Geschnmcksverirrungen, welche nur Wasser auf die antisemitischen Mühlen liefern, den deutschen Juden zur Last legen könnte. Das ist um so weniger anzuuehmen, als das Herrenfeld- Theater nicht nur zu len ständigen Inserenten der „Slaatsbürger- Zcitung" und desSedlatzekjchen „General-Anzeigers" gehört, sondern auch in spaltcnlangen Feuilletons der Antisemiten-Prcsse geradezu verhimmelt wird. Im lokalen Theile beschimpft die Staatsbürger-Zeitung zwar die jüdischen Inhaber des Zargon-Theaters auf's härteste, indem es das von ihnen herausgegebene Blatt „Chochem" einer „von echt jüdischer (?) Empfindung getragenen Gemeuchelt" beschuldigt, aber unter dem Strich macht sie für die Gebrüder Herrenfeld eine Reklame, als wenn dieselben die Vettern des Grafen Pückler wären. Das antisemiti'chc Geschäft bringt das einmal so mit sich! Daß für die Geschmacksrichtung der Anhänger der Staatsbürger-Zeitung die galizische Mauschelei sympathischer ist als das gebildete Wesen des Gleichberechtigung verdienenden und fordernden deutschen Juden, ist begreiflich; weniger verständlich ist uns, wenn sich von diesen noch einzelne irr das Herrenfeld-Theäter verirren, und mit den derbkomischen Leistungen desselben aussöhnen, weit in einzelnen Stücken der Jude eine halbwegs gute Rolle spielt. Karrikaturen giebt es unter Juden wie unter Christen, aber in der Gegenwart sollte der deutsche Jude sich ganz besonders mit Abscheu abwenden, wenn von jüdischer Seite die Eigenthümlichkeiten wieder ausgegraben werden, die einst unter den Trümmern der Ghettomaueru verschüttet wurden und dort ruhig hätten verborgen bleiben sollen. S. M., Berlin. In dem Prozesse Platho-Arndt saß die Redaktiott der „Slaatsbürger-Ztg.", wenn auch nicht in körperlicher, so doch in moralischer Weise,"mit auf. der Anklagebank, denn sie hatte in fetten Lettern die Dinge, welche die Beschuldigten dorthin gebracht,

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