Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- Die Juden als Soldaten
- Date
- 1901-01-01
- Page
- 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316678-2327087--07626-2327181- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
8 J»i deutschen Reich. Es waren zu den Heeren aller deutschen Staaten 1870/71 eingezogen in runder Summe ll/2 Millionen Soldaten, und da die Juden 1% der Bevölkerung bildeten, so hätten sie demnach ca. 15000 Soldaten stellen müssen. Die Enquete crgiebt aber aus dem bekannt gewordenem Viertel der deutschen Juden schon 4700 Namen, wir können also mit großer Sicherheit die Behauptung aufstellen, daß die Juden in genau demselben Stärkeverhältniß wie die Christen den Feldzug 1870/71 mitgemacht haben. Es ist dies auch durch die deutsche Heeresvcrfassung, die allgemeine Wehrpflicht, bedingt. Nirgends ist ein Anhalt dafür vorhanden, daß die Juden für den Waffendienst nicht körperkräftig genug waren, und nirgends ein Anhalt dafür, daß sie Anstrengungen gemacht hätten, von demselben loszukommen. Die Judenfeinde sind, wie ausdrücklich heroorgchoben werden soll, nicht in der Lage, auch nur einen Fall zu nennen, bei dem ein Jude sich vom Dienst gedrückt hätte. Wohl aber lasten sich viele Beispiele anführen, wie eifrig Juden bemüht gewesen sind, ihre Schuldigkeit dem Vaterland gegenüber zu erfüllen. Eines derselben wird uns genügen: Louis Bernhardt aus Goldbcrg i. M., beim Ausbruch des französischen Krieges erst neunzehn Jahre alt, von kleiner aber kräftiger Statur, meldete sich bei dem Mecklenburgischen Jäger- Bataillon als Freiwilliger, wurde aber nicht angenommen, da er das vorgeschriebcne Militärmaaß nicht besaß. Durch diesen Mißerfolg ließ er sich nicht zurückhaltcn, meldete sich bei dem Mecklenburgischen Grenadier-Regiment Nr. 89, fand daselbst sofort Aufnahme/ wurde ausgebildet und im Oktober mit dem Regiment nach dem Kriegsschauplatz dirigiert. Als Kleinster im ganzen Regiment nahm er an allen Gefechten desselben Theil und ist unverletzt nach Beendigung des Krieges hcimgekchrt. Ein älterer Bruder des Bernhardt war bereits als Reservist beim Ausbruch des Krieges cingezogen. Und wie unsere Glaubensgcnoffen den Feldzug in einer ihrer Seelenzahl entsprechenden Stärke mitgcmacht, - so haben auch ihre Leistungen nichts zu wünschen übrig gelaffen. Auö der reichen Litteratur, die der Krieg von 1870/71 hcrvorgcrufcn hat, ragt ein Buch hervor, weil es sich mit den Leistungen der einzelnen Soldaten beschäftigt, während die meisten Schriften mehr den allgemeinen Gang der Ereignisse schildern. Es ist dies: „Deutsches Heldenbuch. Hervorragende Kriegsthaten deutscher Officiere und Soldaten in dem Kriege 1870 und 1871".