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Im deutschen Reich · 1900-12-01 · Heft 12 (Dezember 1900) · p. 665

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 12 (Dezember 1900)
Article
A. K. Berlin
Date
1900-12-01
Page
665 (sequence 2)
Language
German
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Briefkasten der Redaktion. 665 dort gehalten werden". — In Berlin halten manche Wirthe die Antisemitenblätter nur deshalb, weil ihre jüdischen Gäste nach diesen Blättern fragen und sich in diese Lektüre vorzugsweise vertiefen. Mögen unsere Glaubensgenossen sich hüten, das antisemitische Geschäft dadurch zu unterstützen, daß sie — wie dies nur gar zu häufig geschieht — antisemitis che Blätter wie die „Staatsbürger-Zeitung" kaufen oder nach ihnen fragen! L. P. Magdeburg. Wie den „Mittheilungen a. d. Verein z. Abwehr d. Antisemitismus" kürzlich aus Sondershausen berichtet wurde, ist dort ein antisemitischer Führer, der Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete Heinrich Kortum in Konkurs verfallen. Zahlreiche Bewohner Sondershausens sollen bei der Sache in Mitleidenschaft gezogen sein. O. N. Danzig. Die „Danziger Allgemeine Zeitung", die als Hauptorgan der westpreußischen Konservativen dem Antisemitismus im Konitzer Kreise wesentlich Vorschub geleistet hat, brachte folgende, für dieses Blatt charakteristische Notiz: „In der Skurzer Mordaffaire, die bekanntlich noch immer nicht ihre Sühne gefunden hat, sind, wie wir von authentischer Seite erfahren, Ermittelungen im Gange. Die von uns kürzlich mitgetheilte Thatsache, daß eine an der Affaire betheiligte Persönlichkeit in Amerika verstorben, zuvor aber auf dem Sterbebette noch ein Geständniß abgelegt habe, soll sich bewahrheiten. Weitere Einzelheiten mitzutheilen, sehen wir uns jedoch nicht veranlaßt, um nicht die weitere Ermittelung in dieser Angelegenheit zu erschweren." Man wird nicht fehlgehen, wenn man als Gewährsmann für diese „Tartaren-Nachricht" den bisher unausfindlich gebliebenen Strafanstaltsgeistlichen betrachtet, der einem ebenso unauffindlichen bekehrten jüdischen Zuchthaus-Insassen so wunderbare Aufschlüsie über „jüdische Sühnenmorde" verdankt. M. L. Crefeld. Der Artikel des dortigen Jöken'schen Antisemitenblattes „Er lebt noch" ist den „Deutsch-sozialen Blättern^ entnommen, welche anscheinend in die Gesellschaft der Spiritisten gerathen sind; denn der von ihnen als Beweis für die Lebensfähigkeit des Antisemitismus angeführte Auftuf trägt die Unterschrift von Männern, die längst die Erde deckt! Wenn das Organ Liebermanns keinen besseren Beweis für das Wiederaufleben des Antisemitismus hat als ein Rundschreiben, welches im Jahre 1895 verbreitet wurde, dann scheinen seine Hilfsmittel ziemlich erschöpft. Ein Stimmungsbild aus der Gegenwart ist ein Aufruf aus dem

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