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Im deutschen Reich · 1900-12-01 · Heft 12 (Dezember 1900) · p. 661

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 12 (Dezember 1900)
Article
S. S. Berlin
Date
1900-12-01
Page
661 (sequence 2)
Language
German
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Briefkasten der Redaktion. 66! sich ebenso wenig scheut, sich mit dem Reformator Luther zu vergleichen, wie davor, widerwärtige Reklamen mit folgender Blasphemie zu verbrämen: „Die Wissenschaft der Finsterniß, der Nacht (deren Symbol der Nachtvogel, die Eule) muß weichen, versinken, die des Lichtes, des Tages heraufsteigen! Das waltet Gott, der Geber alles Guten, der Vater des Lichts, der Vernichter Satans des Verderbers Seiner Schöpfung, des grimmigen Hasiers der Menschheit, des Lügners und Mörders von Anfang! Die Höllengeister schnauben Wuth; sie sind besiegt, Wahrheit siegt." Dasselbe Blatt, das solche Dinge für Geld veröffentlicht, entblödet sich nicht, es als eine „schamlose Juden-Reklame" zu bezeichnen, daß zum Todtensonntage eine angebliche jüdische „Bekleidungskompagnie" allen denen, die bis zum Sonntag dort mindestens für 10 Mk. kaufen würden, einen Kranz umsonst versprach. Als „schamlos" gilt Herrn Bruhn nämlich jede Reklame, die ihm kein Geld einträgt! P. S. Berlin. Wie unzuverlässig die Spürversuche der Rassen- Antisemiten sind, zeigt die folgende Notiz der „Deutsch-Sozialen Blätter" vom 29. November: „Ein Ehren-Komitee ist zusammengetreten, um die Feier zur Erinnerung an das zweihundertjährige Bestehen des Königreichs Preußen vorzubereiten. Dem Komitee gehören aus den Kreisen der Presse an: Rudolf Mosse, Isidor Landau und Hugo Russak, wovon nur letzterer A r i e r ist!" — Die Redaktion des Lieberrnann'schen Organs da.ß davon überzeugt sein, daß es um die arische Abstammung des Herrn Dr. Russak genau so bestellt ist — wie um diejenige des „urgermanischen" Herrn Liebermann! N. I. Berlin. Als vor einigen Monaten Liebknecht verschied, widmeten 'die „Deutsch-Sozialen Blätter" Liebermann's dem alten sozialdemokratischen Führer einen Nachruf, in dem gesagt wurde: „In seinen letzten Lebensjahren war der alte Liebknecht dem jüngeren Nachwuchs in der Partei ein Dorn im Auge. Bes onders scharfe Kampfe hatte er mit Singer und anderen Parieijuden hinter den Parteikulissen auszufechten." In der „Deutschen Reform" Dr. Böckel's und Hans von Moscht war zu lesen: „Der Tod Liebknecht's ist, wie die „N. B. Landeszeitung" ausführt, den jüdischen Elementen der sozialdemokratischen Partei nicht unwillkommen, denn Liebknecht hegte im Geheimen eine a n ti s e m i t if ch e G esin nun g." — Wie wenig Wilhelm Liebknecht davon eine Ahnung hatte, daß man mit ihm nach seinem Tode „antisemitischen Heroenkultus" treiben würde, geht aus einem von ihm verfaßten Artikel „Aus meiner Schulmeisterzeit* hervor, welcher in dem im Verlage von Auer

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