Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1900)
- Article
- Janowitz
- Date
- 1900-12-01
- Page
- 652 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316663-2316675--07518-2327004- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6Ö2 Im deutschen Reich. Bekanntlich giebt es für Stadtverordneten- Wahlen gar keine Bestätigung! Die Behauptung, daß der einzige evangelische Stadtverordnete, der hier neben zwei polnischen und vier jüdischen Stadtverordneten vorhanden war, verdrängt worden sei, ist ebenfalls unrichtig; der betreffende Herr ist vor drei Jahren zum Magistratsmitgliede gewählt worden. Der Bürgermeister ist evangelisch; außer dem erwähnten evangelischen Magistratsmitgliede giebt es hier auch ein jüdisches Magistratsmitglied. Die Zusammensetzung der Stadtverordneten-Versammlung erklärt sich daraus, daß die erste Steuerabtheilung aus 8 jüdischen Wählern, einem evangelischen und einem polnischen Wähler besteht, in der dritten Abtheilung aber den 73 polnischen Wählern nur 28 evangelische gegenüber stehen. X Könitz, 2. Dezember. Ueber das Strafverfahren in der Sache Rosenthal-Kamin brachte die „Staatsbürger-Ztg." am 27. v. M. folgende Mittheilung: „Im Laufe der vergangenen Woche fanden zwei Lokaltermine im Hotel Wagner statt, welche von dem Untersuchungsrichter Dr. Zimmermann-Konitz abgehalten wurden. Im ersten Termin wurde auch mit dem Dienstmädchen Margarethe Nathke verhandelt, welches den Louis Rosenthal erhängt gesehen und vorher gehört haben will, daß Rosenthal zu einigen Kunden geäußert habe, er könne des Konitzer Mordes wegen nicht zur Ruhe kommen. Beiden Lokalterminen hat der jüdische Rechtsanwalt Maschke-Konitz beigewohnt, dem letzten, am 23. und 24. d. M., auch Staatsanwalt- Affeffor Dr. Romen, Justizrath Dr. v. Gordon-Berlin und ein jüdischer Bauunternehmer aus Berlin als Sachverständiger. Die jüdischen Rechtsanwälte nahmen an den Lokalterminen theil, die in einer noch nicht abgeschloffenen Untersuchungssache abgehalten werden! Was sagt dazu der Herr Justizminister? In dem letzten Termin wurde mit einer Hauptzeugin, der jüdischen Schirmfabrikantenfrau Köper, die von den Gebrüdern Rosenthal zum Meineide verleitet worden ist, und die ihre Aussage bereits beim Amtsgericht in Zempelburg beeidet hat, bis nach 11 Uhr Nachts Verhandelt. Es hat dies in unserm ruhigen und friedlichen Städtchen begreiflicherweise großes Aufsehen erregt. Wie man von den vernommenen Zeugen erfahren, geht die Bertheidigung darauf aus, die Zeugin Köper für geisteskrank zu erklären. Doch damit werden die Juden diesmal wohl wenig Glück haben." — Diese Notiz enthält verschiedene Unrichtigkeiten. Dem ersten Termine haben die Staatsanwaltschafts-Vertreter Affesior Dr. Ramlau, Justizrath Dr. v. G o r d o n - Berlin und Rechtsanwalt Maschke-Konitz auf gesetzlich vorgeschriebene Ladung des Untersuchungsrichters beigewohnt. Als