Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1900)
- Article
- Die Juden als Soldaten
- Date
- 1900-12-01
- Page
- 632 (sequence 12)
- Language
- German
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682 3m deutschen Reich. dcch ferner insbesondere die jüdischen Religionsverhältnisse nirgends als ein Hind ermiß beim Kriegsdienste hervorgetreten sind. Wir dürfen wahrlich zufrieden sein mit dem Ergebniß dieser Enquete des Kriegsministeriums. Die Juden, die so lange von dem Waffendienste ferngehalten und durch viele Jahrhunderte gedrückt waren, denen die gesündesten Erwerbsarten, wie die Landwirthschafl, verboten waren und nur diejenigen offen standen, welche wie der Hausierhandel und der Kleinhandel in den Städten einen ungünstigen Einfluß auf die körperliche Entwickelung ausüben mußten; diese Juden, von denen ein großer Theil nach eben derselben Denkschrift in so kümmerlichen Verhältnissen lebte, daß „ihre Leibeskonstitution von Jugend an unentwickelt blieb", thaten sofort, als die Regierung ihnen das Recht gewährte, an der Vertheidigung des Vaterlandes zu helfen, vollauf das Ihrige, nicht minder als die alten Staatsbürger, die von jeher das Waffenhandwerk gepflegt hatten und in ihrer Mehrzahl körperlich den Juden weit überlegen waren. Ja, die Juden, die in den Freiheitskriegen, gleich den übrigen Preußen, sich bewährt haben, die jüdischen Soldaten, die sich von den „Soldaten der christlichen Bevölkerung im allgemeinen nicht erkennbar unterschieden", sie haben in gewisser Hinsicht mehr als jene geleistet, denn sie hatten noch die Gewöhnung langer Jahrhunderte zu überwinden, ihre moralische Stärke hatte noch ihre physische Schwäche zu bemeistern, damit sie dasselbe wie die übrigen Soldaten leisten konnten. Daß sie auch im Frieden den übrigen Truppen nicht nachgestanden haben, ist ebenfalls ein erfreuliches Zeugniß, wenn auch minder bedeutsam. (Fortsetzung folgt).