Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 11 (November 1900)
- Article
- P. S. Hamburg
- Date
- 1900-11-01
- Page
- 617 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 617 Bürgerschafts-Mitgliedern ruhig gefallen läßt, dürfen wir es ruhig hrnnehmen, wenn die letzteren von Den Juden sagen: „daß die Juden, wenngleich „auch" Menschen, doch nicht dieselben Menschen find wie wir, sondern ganz andere." — Möchten S i e etwa, daß die Juden dieselben Menschen wären wie die Herren Raab, Schock, von Pein, Golle u. a. m.? Wir müßten danken! S. L. Hamburg. Die mit der Ueberschrift „Wenn man sich mit Juden einläßt" und mit der Schlußbemerkung: >,Wer vom Juden ißt, stirbt daran!" versehene Notiz des dortigen Antisemitenblattes ist in der Hauptsache dem Hamburger „Echo" entnommen. In einem Bericht dieser Zeitschrift war die Handlungsweise eines Herrn Hirsch s e n. und dessen Sohnes einer Kriti unterzogen worden. Das Organ der Antisemiten, das „Deutsche Blatt", knüpfte daran folgende Bemerkung: „Wenn man die Genoflenschaft künftig auf eine gesunde Grundlage stellen will, so dürfte es sich vor allem empfehlen, die Juden aus derselben oder mindestens aus der Leitung derselben auszuschließen. Die gesundeste Grundlage, der gesundeste Gedanke wird in den Händen der Hebräer mißbraucht." Hierzu bemerkt das Hamburger „Israelitische Familienblatt": „Den Werth und die Tiefsinnigkeit dieser Bemerkung kann man erst daraus ermeffen, wenn man erfährt, daß, wie uns mitgetheilt wird, weder Hirsch Vater noch Hirsch Sohn Juden sind. Beide sind Christen. Jede weitere Bemerkung unsererseits könnte die Wirkung dieser Konstatierung nur abschwächen. Es bleibt abzuwarten, ob das Blatt seinen „Jrrthum" berichtigen wird." — Die „Berichtigung" lautet: „Ob die Herren Hirsch nicht trotz ihres evangelischen Bekenntnisses Juden sind, darüber schweigen sie sich vorsichtig aus. Nach ihrem Verhalten wie nach ihrem Namen müssen wir sie zunächst für Juden evangelischer Konfession halten. Vielleicht geben sie uns auch noch darüber Auskunft, ob sie jüdischer oder deutscher Abstammung sind, andernfalls sind sie Juden, die oder deren Vorfahren sich raufen ließen." — Das ist eine hübsche Lehre für Herrn Benedict Levita, der es sich in'S Stammbuch schreiben mag, daß seine Kinder in den Augen der meisten Antisemiten nicht als Christen/ sondern als „I u d e n evangelischerKonfession" gelten werden. K. M. und A. R. Leipzig. Der Artikel „Das Drama vom M ö n ch s e e" ist keineswegs die erste antisemitische Leistung der Leipziger Neuesten Nachrichten", deren hervorragendster Mitarbeiter bereits früher als Chefredakteur der „Dresdener Nachrichten" fulminante