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Im deutschen Reich · 1900-11-01 · Heft 11 (November 1900) · p. 616

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 11 (November 1900)
Article
B. G. Potsdam
Date
1900-11-01
Page
616 (sequence 2)
Language
German
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0X6 Im deutschen Reich. Seit einiger Zeit kündigt eine jüdische Firma in Berliner Blättern allerlei Liqueure unter der Bezeichnung „S t. W o l f g a n g s" Magentropfen und dergleichen an. Neu ist diese Vorschiebung christlicher Zeichen durch jüdische Geschäftsleute nicht In Prag hat eine jüdische Firma sich die Nebenbezeichnung zugelegt „Zur schwarzen Mutter Gottes", eine andere nennt sich „Zur W a l l f a h.r t", ohne daß eine polizeiliche Beanstandung erfolgt wäre. Dagen ist es in Oesterreich vorgekommen, daß die Polizei einschritt, wenn ein christlicher Kaufmann seiner Firma die Bezeichnung hinzusügte „Christliches Schuhwaarengeschäft" oder dergleichen. Offenbar 'behandelt die österreichische Polizei derartige Fälle mehr opportunistisch als grundsätzlich." — Die „Kreuz.-Ztg." übersieht in ihrem blinden Wetteifer mit dem antisemischen „General-Anzeiger" Sedlatzek's, daß die angeblich „jüdische" Firma in Prag nicht dem Hause, in dem sie sich einmiethete, jenen Namen gegeben hat, der vielmehr von den ersten jesuitischen Besitzern herrührt, denen die „Kreuz.-Ztg." wahrlich weit näher steht, als jene Firma, deren Besitzer vielleicht nur deshalb als Juden bezeichnet werden, weil ihr Name alttestamentlich klingt oder weil das fromme Blatt daran eine aufreizende Bemerknng knüpfen wollte. Daß „Wallfahrten" auch in Palästina stattfanden, sollte einem so strenggläubigen Blatt nicht fremd sein. Uns sind „jüdische" oder „christliche" Schuhwaaren unbekannt; bekannter sind uns aber „lederne" Schuhwaaren und — lederne Notizen antisemitischer Hetzblätter! P. S. Vreslau. Die judenfeindliche „Schlesische Zeitung" brachte einen Bericht aus O r l a u in Oesterreich.-Schlesien, der den Gegnern der Schächtmethode nicht gerade willkommen sein konnte. Danach hat in Orlau ein Stier, nachdem er drei Kopfschläge erhalten, sich loögeriffen, zwei Menschen niedergeworfen und verletzt, eine Frau aufgespießt und ist erst nach dreistündiger Hetzjagd eingeholt und zu Ende todtgeschlagen worden. Beim Schächten kann so etwas kaum Vorkommen! P. S» Hamburg. Daö dortige antisemitische „Deutsche Blatt", welches das Organ der Herren Fr. Raab und Schack bezw. der „deutsch-nationalen Handlungsgehilfen" ist, leistet in dem Artikel vom 10. November „Das Auge des Gesetzes — schielt" Großes in der Herabsetzung der Rechtspflege. Don den antisemitischen „Anarchisten" ist nichts anderes zu erwarten. Wenn das Auge des Gesetzes immer wachte, würde diesen Herren das Handwerk bald gelegt. Wenn der Herr Oberstaatsanwalt, der in seiner Eigenschaft als „Organ der Gerechtigkeit" angegriffen wird,, sich dies von Ihren geschätzten

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