Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 11 (November 1900)
- Article
- München
- Date
- 1900-11-01
- Page
- 606 (sequence 2)
- Language
- German
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606 Im deutschen Reich. gemeinde und mehrerer Wohlthätigkeits-Anstalten. Insbesondere erwarb er sich um den „Verein für Studien- und Arbeits-Beförderung", besten Vorstandschaft er nahezu zwanzig Jahre angehörte, wesentliche Verdienste. ® Nürnberg, 2. November. Unter der Ueberschrift „Antisemitismus und die Volksschule" veröffentlichte die „Fränkische Tagespost" am 12. Oktober eine Zuschrift von Eltern, in der diese sich darüber beschwerten, daß der Hilfsgeistliche Wirth in der Unterrichtsstunde über den Konitzer Mord und über den Umgang mit Juden in einer aufreizenden Weise sich geäußert habe. Die Ausdrucksweise, deren sich der Vikar dabei bedient haben sollte, war besonders geeignet, gerechten Anstoß zu erregen. Der Hilfsgeistliche Wirth veröffentlichte darauf eine Erklärung, in welcher er zwar behauptete, sich nur nur seiner kirchlichen Obrigkeit gegenüber verantwortlich zu fühlen, aber doch sich dagegen verwahrte, Aeußerungen gethan zu haben, die als antisemitische Hetzereien aufzusasten seien. Er habe nur gesagt, daß im Alten Testament das Blut von Thieren vorbildlich als Versöhnungsmittel angesehen werde, aber das Blut von Thieren in Wirklichkeit ebenso wenig als das Blut von Menschen eine versöhnende Kraft haben könne. Ganz von selber habe sich in diesem Zusammenhang ein Hinweis auf den Mord in Könitz gegeben. Man lese seit geraumer Zeit viel davon, daß in genanntem Orte ein Gymnasiast ermordet wurde, und es werde vielfach behauptet, ein Jude sei der Mörder. Die Verhandlungen hatten dies allerdings nicht erwiesen. Falls man allerdings solcher Dinge von Seiten heutiger Juden sich versehen müßte, wäre es gerathen, den Juden in jeder Beziehung aus dem Wege zu gehen. — Diese Erklärung wurde in dem hiesigen Gemeindekollegium einer scharfen Kritik unterworfen; man beruhigte sich aber doch schließlich bei der Mittheilung, daß gegen Wirth bereits disziplinäre Untersuchung eingeleitet sei. In der am 26. Oktober abgehaltenen Magistrats-Sitzung wurde beschlosten, die Sache auf sich beruhen zu lassen, weil Wirth sein Unrecht nachträglich anerkannt und sein Bedauern darüber ausgesprochen habe. Mehrere Magistrats-Mitglieder erklärten aber, daß diese Art der Beilegung ihnen als eine zu milde erscheine.?? Leipzig, 12. November. Die-Revision deS antisemitischen Redakteurs I. I ö k e n in Krefeld, welcher von der dortigen Strafkammer am 31. Juli d. I. zu einer Woche Gefängniß verurtheilt wurde, ist heute von dem Reichsgericht verworfen worden. Jöken. hatte in seinem Blatte einen Artikelveröffentlicht, in dem gesagt war, „der Talmud heiße den Mädchenhandel gut und