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Im deutschen Reich · 1900-11-01 · Heft 11 (November 1900) · p. 605

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 11 (November 1900)
Article
Hamburg
Date
1900-11-01
Page
605 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 605 der Redakteur des antisemitischen „Deutschen Blattes" I. G o l L e gegen den Antisemitenführer Fr. Raab erhoben hatte. Der Letztere hatte als Mitglied des Aufsichtsrathes des Blattes dem I. Golle eines Tages mitgetheilt, daß ein zweiter Redakteur angestellt sei und Golle die längste Zeit Redakteur gewesen sei, da man ihm kündigen wolle. Im weiteren Wortwechsel soll Raab den Redakteur Golle „Lump" genannt haben und dann über die Aeußerung Golle's, daß er sich schämen solle, so erregt geworden sein, daß er sich zu Thätlichkeiten Hinreißen ließ. Im Termin erschienen beide Parteien nicht, weil sich Raab inzwischen dazu verstanden hatte, sich zu entschuldigen und die sämmtlichen Gerichtskosten zu tragen. Die „Deutsche Handels - Wacht" forderte in ihrer Nummer vom 16..Oktober 1900 zur Bildung einer Auskunftei für Handlungsgehilfen auf. Was von dieser Einrichtung zu erwarten ist, ergiebt sich aus der Person des Verbandsleiters, Herrn Schack. Der Mann ist antisemitisches Mitglied der Hamburger Bürgerschaft; das unter seiner verantwortlichen Redaktion erscheinende Organ des Verbandes, die „Deutsche Handelswacht", läßt es in keiner Nummer an Verhetzungen der Handlungsgehilfen gegen ihre Prinzepale, insbesondere derjüdischen, fehlen. Wer ein Mitglied des Verbandes in sein Haus oder Geschäft aufnimmt, wird in seinem Mitarbeiter ein Opfer jener Verhetzung zu sehen haben. Wir halten es mit der Ehre eines jüdischen Chefs nicht für vereinbar, daß er einen Mitarbeiter duldet, welcher sich der antisemitischen Agitation dienstbar erweist. Eine objektive Belehrung über die Gefahren dieses Treibens wird die vielfach nur schlecht berathenen jungen Leute von dieser Agitation fern halten und sie zum Austritt aus dem Verbände bewegen. Wo in Güte nicht zu bessern ist, empfehlen wir freundschaftliche Trennung. n Frankfurt a. Main, 2. November. Die Mittheilung, daß kürzlich in einem elsässischen Städtchen die Glocken bei dem Betz räbniß einer Jüdin geläutet wurden, veranlaßte eine in Weilburg wohnhafte Leserin der „Frankfurter Ztg." diesem Blatte zu berichten: „Das ist für uns hier nichts Außergewöhnliches, denn hier läuten die Todtenglocken der evangelischen Kirche bei Beerdigung jedes jüdischen Mitbürgers. Außerdem besitzen hier alle Konfessionen gemeinsam einen Leichenwagen." X München, 5. November. Unser langjähriges Dereinsmitglied Justizrath Dr. JuliuS' Rau ist im Alter von 77 Jahren einem Schlaganfall erlegen. Langer als dreißig Jahre stellte er sein Wissen und seine Thatkraft in den Dienst der Münchener Kultus» 44

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