Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 9 (September 1900)
- Article
- G. H. Posen
- Date
- 1900-09-01
- Page
- 487 (sequence 1)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 487 G. H. Posen. Treffend geißelt bas „Berliner Tageblatt" das Demagogenthum der „Deutschen Tageszeitung", indem es auf eine Gerichtsnotiz dieses Agrarier-Organs verweist, in welcher unter der Spitzmarke „Unterwegs zum Kommerzienrath" der Bankerottprozeß eines Kaufmanns Bernhard Lervy dargestellt wird. In dieser höchst „geschmackvollen" Spitzmarke liegt eine Beleidigung des ganzen Kaufmannsstandes, für welchen der Titel „Kommerzienrath" mit Recht eine ehrenvolle Auszeichnung bildet. Bei dem agrarischen Blatt scheint derselbe gehässige Geist zu herrschen wie bei den vor einiger Zeit im „Adelüblatt" erschienenen, von der öffentlichen Meinung so verurtheilten Ausfällen gegen die Kaufleute: die „Handelsplebejer". K. N. Bromberg. Die aus Jnowrazlaw vom 5. Sept. datierte Notiz der „Staatsbürger-Zeitung", wonach im „Kujawischen Boten" berichtet worden sein sollte, daß der jüdische Reisende und Agent Wladislaus Goldmann, der Schwiegersohn eines hochgeachteten Bürgers von Jnowrazlaw, indem RestaurantBalzer350Cigarren gestohlen habe und daß die Sache der Strafkammer überwiesen worden sei — ist wieder eine niedliche Arbeit aus der „Manufaktur Bachler, Wilberg und Bruhn". Der „Kujawische Bote" hat in keiner Weise den katholischen Agenten W. G. in Jnowrazlaw, den Schwiegersohn eines thatsächlich allgemein geachteten dortigen katholischen Bürgers, zum „Juden" gemacht. DasistechteBerlinerAntisemiten-Arbeit! Wenn das Kleeblatt einmal dem Strafrichter verfallen sollte, werden aber zum Lohn die künftigen Leiter der „Staatsbürger-Ztg." die jetzigen zweifellos auch als „Juden" bezeichnen! Die Kujawischen" sind freilich bessere Menschen! I. G. Stettin. Wie weit Ihre Klage, daß die jüdischen Zeitschriften meistens bei den Rabbinern, Kantoren oder in den Bureaus der Gemeindevorsteher liegen bleiben und fast nie von Nichtjuden gelesen werden, berechtigt ist, können wir nicht beurtheilen. Wenn Ihre Behauptung zutreffend sein sollte, dann dürste sich Gleiches bei der von Ihnen warm empfohlenen Versendung von Flugblättern ereignen. Aus diesem Grunde haben wir s. Z. unsere Erklärung „Zur Frage des Ritualmordes" in mehreren politischen Zeitungen veröffentlicht, deren große Auflagen dafür Bürgschaft boten, daß unsere Erklärung nicht nur in jüdischen Kreisen bekannt wurde. Daß wir außerdem wiederholt massenhafte Flugblätter verbreitet haben, scheint Ihnen unbekannt geblieben zu sein. B. C. Bütow. Das dortige Blatt druckt einen Bericht der „Danziger Ztg." aus Schl och au ab, in welchem es heißt: 36*