Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 9 (September 1900)
- Article
- P. L. Berlin
- Date
- 1900-09-01
- Page
- 485 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 485 Zeitung": Ohne Juden geht es nicht, das zeigt wieder nachstehendes Beispiel. Für die Baracken in China stellt die hiesige Holzbearbeitungs-Aktiengesellschaft Ferdinand Bendix u. Söhne 1260 Fenster fertig verglast her. Der Firma ist von der Militärbehörde telegraphisch der Auftrag zugegangen, in 14 Tagen sollen alle Barackenfenster fertiggestellt sein. Die Firma hat telegraphisch ihre Fabriken in Königsberg i. Pr. und in Posen angewiesen, an der Herstellung mitzuarbeiten. An der Fabrikation der Fenster wird Tag und Nacht gearbeitet; man will noch vor dem festgesetzten Termin fertig sein. So ist es recht!" — Die weiteren für den antisemitischen Leserkreis berechneten Zeilen: „Deutsche Fabrikanten und Handwerker giebt's ja nicht u. s. w." mindern den Eindruck der Reklame nur in geringer Weise! N. G. Berlin. Unter der Ueberschrist „Er wünscht intime Beziehungen" berichtet die „Staatsbürger-Ztg." über. eine Abfertigung, welche einem Wüstling namens Ernst Krause von 11 resoluten Frauen zu Theil geworden sein soll. Charakteristisch für dasAntisemitenölatt istdernachstehendeZusatz zudempikanten Geschichtchen: „Wunderbar ist nur, daß die muthigen Frauen nicht auch den Muth gesunden haben, die genaue Adresse des Wüstlings anzugeben. Nach unseren Erfahrungen vermuthen wir stark, daß sein Name nicht Ernst Krause, sondern vielleicht SallyVeilchenblüt oder ähnlich lautet!" — Wir meinen, daß nach den Erfahrungen der „Staatsbürger-Ztg." vielmehr die Dermuthung nahe läge, daß dieses „unverschämte" Veilchen eine echt occidentalische Pflanze fei und ganz in ihrer eigenen Nähe blühen müsie! G. L. Charlottenburg. Ter Jubel der „Staatsbürger-Ztg." über die Mißhandlung des Dr. Franck durch den Malermeister Kr., desien Frau und den Kellner Sch., der sich in einer Notiz kundgab, welche mit den Worten begann: „Koloflale Keile scheint *in Jude im Zoologischen Garten bekommen zu haben", war in jeder Beziehung deplaciert. Bei dem Prozeß, den das Vorkommniß zur' Folge haben soll, wird es allseitig bekannt werden, daß Dr. Franck gar kein Jude ist. Ebenso unberechtigt wie der Jubel des Antisemitenblattes über die Mißhandlung eines „vermeintlichen" Juden war der Jammer desselben über eine Ohrfeige, welche eine Jüdin am 2. September im Zoologischen Garten einer christlichen Dame gegeben haben soll, die mit ihr wegen eines Stuhls in Streit gerathen war. Die stocktaube, nervenkranke 75 Jahre ölte jüdische Dame, welche nur auf fünf Minuten von ihrer Begleiterin «allein gelassen war, hatte einen Stuhl festgehalten, der ihr plötzlich 36