Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 9 (September 1900)
- Article
- Budapest
- Date
- 1900-09-01
- Page
- 478 (sequence 2)
- Language
- German
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478 Im deutschen Reich. welcher unerhörte Ausfälle gegen die Juden und die jüdische Religion enthielt, seitens der Staatsanwaltschaft wegen Aufreizung Anklage erhoben worden.?? Basel, den 1. September. Nach dem Spezialbericht der „Basler Nachrichten" über den in London abgehaltenen vierten Zionistenkongreß wurde zwar von einer bedeutenden Zunahme der Anhänger des Zionismus berichtet, aber von keinem rechten finanziellen Erfolg der Bewegung, da nur eine Einnahme von 173 018 Fr. im verflossenen Jahre zu verzeichnen war. Bei Gelegenheit des allgemeinen Berichtes entwickelte sich eine unfruchtbare Debatte, in welcher über alles Mögliche in der allgemeinen pathetischen Form gesprochen wurde, ohne etwas Anregendes zu Tage zu bringen. Von Interesse war die Frage über das Verhältnis der Religion zum Zionismus. Die Debatte nahm mitunter einen stürmischen Charakter an, wobei die meisten sich für die weitestgehenden Zugeständnisse an die Rabbiner erklärten. Diese Rabbiner find denn auch mit großem Enthusiasmus empfangen worden, trotzdem die Majorität der Delegierten zu den religiös Indifferenten gehört. Als Vorsitzender des Aktions- Comit^s mahnte Dr. Herzl die Partei zu Einheit und Frieden; er hielt *es für unzweckmäßig, daß die religiöse Frage in den Kongreß geworfen werde. Man solle sich von müßigen Zwistigkeiten und Redereien fernhalten und die Energie und den Scharfsinn für das Gedeihen der Bewegung anwenden. Alsdann ist unter großem Beifall dem Aktionskomitee das Absolutorium ertheilt worden. Zuletzt wurde der Beschluß gefaßt, im nächsten Jahre wieder einen Kongreß abzuhalten, im Gegensatz zu der Ansicht vieler, wonach ein Kongreß nur alle zwei Jahre stattfinden sollte. UereirrsrmchrrchLerr. Mie Stimmung, in welcher viele von uns in diesem Jahre von dem Sommer Abschied nahmen, war eine ungewöhnlich ernste, denn in den letzten Monaten traten die Wirkungen der Vergiftung des Volksgeistes durch die systematische antisemitische Hetzarbeit so grell zu Tage, daß auf einmal die edelsten Kulturerrungenschaften gefährdet erschienen. „Ein Fanal ist in Könitz entfacht, das weithin leuchtet mit blutigem Schein! Versteht, Ihr sein