Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 9 (September 1900)
- Article
- München
- Date
- 1900-09-01
- Page
- 476 (sequence 2)
- Language
- German
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476 Im deutschen Reich. Ludwig Wenng erhobene Beleidigungsklage wurde zunächst von dem Amtsgericht München kostenpflichtig abgelehnt. Auf erhobene Beschwerde verwies das Kgl. Landgericht die Sache nochmals an das Schöffengericht, welches am 27. August in Anbetracht des Protokolls über eine kommissarische Vernehmung der Olajceck dazu gelangte, die Redakteure der beiden Antisemitenblätter zu je 10 Mark Geldstrafe und zu den Kosten des Verfahrens zu verurtheilen. — Zwischen dem Wiener Gemeinderath Lucian Brunner und den beiden antisemitischen Redakteuren Georg v. d. Tann vom „Neuen Münchener Tageblatt^ und Otto Schoy vom „Bayerischen Vaterland" ist zur Beilegung des von Brunner bei dem k. Amtsgericht München I angestrengten Privatklageprozeffes folgender Vergleich zu Stande gekommen: 1. Die Privatverklagten erklären, durch die Beweisaufnahme nicht die Ueberzeugung gewonnen zu haben, der Privatkläger habe wirklich die Aeußerung, „er verachte alle Christen", gethan. 2. Sie nehmen deshalb den Vorwurf dieser Aeußerung, den ste dem Privatkläger im Vertrauen auf die Wahrheit der ihnen zugegangenen Berichte machten, ebenso wie die daran geknüpften sonstigen Beleidigungen mit dem Ausdrucke des Bedauerns zurück. 3. Sie übernehmen sämmtliche K.osten." — Eines der angesehensten Organe der Centrums- Partei in Bayern, die „Augsburger Postzeitung", schreibt: „Wenn es für Centrums-Wähler überhaupt noch nöthig wäre, so gilt es nur, einen Warnungspfahl aufzustellen vor dem politischen Antisemitismus. Die Parteibildung hat in Deutschland gründlich abgehaust, selbst wenn ste noch einige Trümmer durch ein paar Reichstagsperioden schleppen sollte. Ohne jedes feste Ziel, unzuverlässig und uneinig in ver Taktik, unfähig zu jeder Initiative, bilden die Antisemiten die Karrikatur einer politischen Partei. Dabei haben wir die Personenfrage unberührt gelaffen. Solchen Politikern wie Ahlwardt, Böckel, Graf Pückler u. s. w. ziehen wir jeden anständigen Juden vor. Angehörige der Centrums-Partei dürfen auch nicht den Schein an sich kommen lassen, als würden sie jemals für eine ausnahmegesetzliche Behandlung der Juden e i n t r e t e n. Das ist ein Gebot der Moral wie der Klugheit. Es ist. Schande genug für den Liberalismus wie für die Regierungen, daß die deutschen Katholiken in ihrem angestammten Heimathlande hrute auf religiösem Gebiet noch nicht soviel Freiheit genießen wie die Juden (?). Wir kämpfen zunächst noch um unsere Gleichberechtigung. In Judenhetze machen wir nich t."