Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1900)
- Article
- Theodor Zlocisti [Rezension]
- Date
- 1900-10-01
- Page
- 554 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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554 Wcherschau. Aieodor Zlocisti: Mitwirkung derJuden an der freiwilligen Krankenpflege in denBefreiungskriegen. Verlag von Max Hoffschläger, Berlin. Es ist eine erfreuliche Begleiterscheinung des an sich so unerfreulichen Antisemitismus, daß er indirekt die Veranlassung zu einer neuen Belebung des historischen Sinnes unter den Juden gegeben hat. Ungerechte Vorurtheile, wahrheitswidrige Legenden-Bildungen zwangen dazu, Fragen kritisch zu beleuchten, die früher nie aufgeworfen wurden und daher nie beantwortet zu werden brauchten. Dringt die Anschauung, daß die Juden niemals Antheil an dem Erringen vaterländischer Güter genommen hätten, in weitere, auch gebildete Kreise und droht sie, im Widerspruch mit den thatsächlichen Verhältnisien, sich festzusetzen und zu einem Dogma zu werden, so ist es eine fast selbstverständliche Rückwirkung, wenn sich jüdische Forscher daran machen, solches Lügengewebe durch historische Belege zu zerreißen. Jede Verhütung der Geschichtsfälschung durch derartige Studien ist ein verdienstvolles Werk. Auch die vorliegende Arbeit ist wohl solchen Erwägungen entsprungen; sie bildet einen fesselnd geschriebenen und sehr interessanten Beitrag zu der Frage, welche Rolle die Juden in den Befreiungskriegen gespielt haben, insbesondere wie weit sie sich an der freiwilligen Krankenpflege betheiligt haben. In kurzumrissenen Zügen wird uns der Lebensgang und das aufopfernde patriotische Wirken jüdischer Aerzte vor Augen geführt, wird uns gezeigt, wie Gemeinden, Vereine und Private wetteiferten, sich an der Pflege der Kranken und Verwundeten zu betheiligen, sei es durch persönliches Wirken, sei es durch Geldopfer oder Hergabe von Materialien. An privater wie amtlicher Anerkennung dieses selbstlosen und opferfreudigen Wirkens der Juden hat es in jenen ernsten Zeiten nicht gefehlt; in den heutigen, auch ernsten Zeiten gewährt es Trost, sich dessen zu erinnern. Sind die vorliegenden Beiträge zu jener Epoche unserer vaterländischen Geschichte in Bezug auf das spezielle Thema, dem sie gewidmet sind, sicherlich auch lückenhaft, wovon Verfasser selbst überzeugt ist, so geben sie doch ein in sich abgeschlossenes Bild und bewirken vielleicht, daß andere, denen Gelegenheit dazu geboten ist, das begonnene Gemälde