Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1900)
- Article
- A. K. Dresden
- Date
- 1900-10-01
- Page
- 553 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten der Redaktion. 553 nur fleißig bei ihnen inserieren. Sie bringen auf der einen Seite rührende Mahnrufe an den Mittelstand und Warnungen vor den großen Waarenhäusern, auf der anderen Seite spaltenlange Lobpreisungen eines großen christlichen Waarenharrseswelches durch den Betrieb eines großen Versandgeschäfts den Manufakturgeschäften in der Provinz eine so schlimme Konkurrenz macht, daß ein sächsisches Amtsblatt sich aus Rücksicht auf die dortigen christlichen Geschäftsinhaber gezwungen sah, seitenlange Inserate dieses christlichen großen Waarenhauses abzulehnen. Zu solchem Opfer für den Mittelstand wäre Herr Bruhn wahrscheinlich schwerer zu gewinnen! L. K. Offenbach. Die dortige „Deutsche Volksmacht" bringt am 13. Oktober einen langen Bericht über einen Gießener Preßbeleidigungs-Prozeß und verweilt mit Befriedigung bei der von der „Frankfurter Zeitung" gegeißelten angeblichen Aeußerung des Rechtsanwalts Dr. Spohr, „ein Jude muffe vor Gericht erst beweisen, daß er ein anständiger Mensch sei; sonst müsse das Gegentheil angenommen werden". Die antisemitische „Deutsche Volksmacht", welche deshalb alle ihre Gesinnungsgenossen dringend ersucht, sich im Bedarfsfälle des Rechtsbeistandes des Dr. Spohr zu bedienen, verschweigt dabei die ihr wohl bekannte Thatsache, daß Dr. Spohr der „Frankfurter Zeitung" eine Berichtigung eingesandt hat, wonach er die ihm in den Mund gelegten Worte nicht gesagt hat.