Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1900)
- Article
- O. S. Berlin
- Date
- 1900-10-01
- Page
- 551 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten der Redaktion. 551 Klienten vor dem Kurort warnen zu wollen, in welchem antisemitische Rohheiten geduldet würden, veranlaßte die „Kreuzzeitung", sich des Antisemiten-Seebades anzunehmen. Das bekanntlich jede Heuchelei verabscheuende Blatt schreibt: „Wir verurtheilen selbstverständlich jede antisemitische Rohheit, wie überhaupt jede die Juden als GesammtheiL beleidigende Behandlung der Judenfrage. Ob Rohheiten der bezeichneten Art vorgekommen sind, entzieht sich unserer Kenntniß. Jedenfalls aber führt die von der „Staatsb.-Ztg." mitgetheilte Thatsache zu der Annahme, daß Borkum von Juden nicht besucht werden wird. Das wird zahlreiche Erholungsbedürftige veranlaflen, nunmehr gerade in Borkum die Zeit ihrer Erholung zuzubringen. Denn in weiten Kreisen der Bevölkerung herrscht das Bedürfniß, wenigstens während jener Zeit nicht an allen öffentlichen Orten von Juden umgeben zu sein." — Die Redaktion der Kreuzzeitung kann von ihrem früheren Chef-Redakteur Freiherrn von Hammerstein erfahren, w o man ziemlich sicher ist, „nicht von Juden umgeben zu sein." H. H.. VerLin. Sie schreiben uns: „Der Oberlehrer B. (vgl. S. 486 der Nummer 9 Ihrer Zeitschrift) scheint dem Namen nach (6en 8emer — Sohn des Gesanges) ein Convertit zu sein. Es wäre interessant, dies feftzustellen." Im Neuhebräischen heißt seiner" allerdings Gesang; insbesondere werden damit die Gesänge vor und nach einer Festtafel bezeichnet. „Seiner“ kann aber auch Hirsch heißen; es ist demnach möglich, daß der Ahnherr des Thorner „Antisemiten-Gelehrten" oder dieser selbst der „Sohn eines Vorsängers" war oder von einem Juden Namens Hirsch abstammte. Das wäre keineswegs das erste und einzige Beispiel der Übersetzung eines deutschen NamenS in's Hebräische. Der talmudfeindliche Ueberläufer „Pfefferkorn" hat übrigens leider im Laufe der Jahrhunderte manchen Nachahmer gefunden. D. N. Magdeburg. Wir verweisen Sie auf den Aufruf des Radfahrers Hermann Meinecke in Gardelegen, welcher dem „Deutsch-nationalen Radfahrer-Verband" (Sitz Hamburg) einerseits nachrühmte, eine strenge gesellschaftliche Scheidung zwischen Deutschen und Juden zu erstreben, andererseits aber den Brudersinn des deutschen Volkes erwecken und pstegen zu wollen. Wer die Vereinigung solcher Widersprüche für möglich hält, bei dem muß nicht nur an dem Rade eine Schraube locker sein! P. K. Stettin. Es wird jetzt vielfach darüber geklagt, daß die Wohlthätigkeit immer mehr konfessionell bethätigt wird. Darüber kann sich aber eigentlich niemand beschweren, wenn man ZeitungSftimmen vernimmt wie diejenige des „Konitzer Tageblattes", welches sich 40*