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Im deutschen Reich · 1900-10-01 · Heft 10 (Oktober 1900) · p. 539

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 10 (Oktober 1900)
Article
Dresden
Date
1900-10-01
Page
539 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 539 wurde, daß die Beamten derBrombergerPolizeibehörde die gesetzwidrige Handlung eines jüdischen Kaufmanns vertuschen wollten. Die dortige Polizeibehörde sollte sich angeblich bemüht haben, über ein Sittlichkeitsverbrechen, das ein Israelit an einem Knaben verübt habe, Stillschweigen zu beobachten. Der Beklagte behauptete, daß ihm eine Beleidigung vollständig ferngelegen; er habe im Gegentheil den Artikel, der ihm von einem sonst immer zuverlässigen Mitarbeiter zugegangen, noch abgemildert. Mit der Veröffentlichung der Notiz habe er geglaubt, der großen Beunruhigung, die sich der dortigen Bevölkerung bemächtigt habe, entgegenzuwirken. (Deshalb leitete er die Notiz mit den höhnischen Worten ein: „Zärtlich besorgtumdaSWohlderliebenStaatsbürger jüdischenGlaubens!") Der Amtsanwalt beantragte Bestrafung des Angeklagten im Sinne des § 186 des R.-St.-G.-B., während der Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Graf für Freisprechung plaidierte, da sein Klient den Schutz des 1$ 193 für sich in Anspruch nehmen könnte. Der Gerichtshof erkannte auf 75 Mk. Geldstrafe event. 15 Tage Gefängniß; außerdem ist das Urtheil in der „Deutsch Wacht" bekannt zu geben. — Die antisemitische sächsische Preffe scheint neuerdings keine guten Geschäfte zu machen. Am 1. Oktober hat die „>tamenzer Ztg." ihr Erscheinen eingestellt. Leipzig, 1. Oktober. Das „Leipziger Tageblatt" berichtete dieser Tage über ein Gespräch mit mehreren Boeren, welche sich dabei auch über ihr Verhältniß zu den auf dem Plattlande ihrer Heimath lebenden Juden äußerten. Dabei erklärten jene Boeren übereinstimmend: „Der Boer ist mißtrauisch gegen jedermann; auch gegen den Juden. Hat aber jemand das Vertrauen eines Boers gewonnen, so besitzt er dies voll und ganz. So wohnte bis vor kurzem in einem Capschen Distrikt ein Jude, Namens Katzenstein, der die Verwaltung verschiedener großer Bauernhöfe führte. Er kaufte und verkaufte für sie. Auf ihren Wanderungen haben die Juden die Bedürfniffe der Boeren kennen gelernt und auch, wie sie sie zu behandeln haben.' Erzeugniffe, die der Boer für werthlos hält, kaufen sie ihm noch für gutes Geld ab. Dafür ist der Boer empfänglich, wenn gleich er das so gewonnene Geld für andere, höher berechnete Gegenstände demselben Händler wieder zurück zahlen muß. Dazu kommt, daß der Jude manchen derben Scherz des Boers versteht, dem andere Leute eine witzige Seite nicht abgewinnen können. Auch machen sie sich bei dem Boer dadurch beliebt, daß sie ihm in der Korrespondenz mit den Steuerbehörden und den Negieruagsorganen hilfreich zur Seite stehen". Ein solch' sehr beliebtes Faktotum war, wie uns der junge DrieS

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