Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1900)
- Article
- Grätz (Prov. Posen)
- Date
- 1900-10-01
- Page
- 538 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316663-2316673--07281-2326540- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
538 3m deutschen Reich. X Grätz (Prov. Posen), 2. Oktober. Am 25. September d. I. starb in Berlin der Rentier I. L a m m. In Grätz geboren, kam derselbe im Jahre 1848 nach Berlin, etablierte ein Manufaktur- Woaren-Geschäft und erwarb sich damit ein größeres Vermögen. Vor zehn Jahren baute er auf dem jüdischen Friedhofe zu Grätz mit einem Kostenaufwands von 15 000 Mark eine Leichenhalle, die so schön und praktisch ausgestattet ist, daß die Zeichnung derselben von vielen großen Gemeinden als Muster benutzt wurde. Außerdem errichtete der Verstorbene eine mit einem Kapital von 20 000 Martk dotierte „Lamm'sche Stiftung" mit der Maßgabe, daß die Zinsen dieser Summe zur Unterhaltung einer Religionsschule und zu sonstigen geimeinnützigen Zwecken dienen sollen. Friede seiner Asche! i}4= Unna, 1. Oktober. Der unter dem Verdachte, auf dem hiesigen jüdischen Fried Hofe 26 Grabdenkmäler zertrümmert zu haben, verhaftete Arbeiter Hugo H a u ck e hat diese Frevelthat eingestanden. Haucke, der wahrscheinlich auch eine hier vor zwei Jahren vorgekommene Grabschändung ausgeführt hat, gilt aber als nicht ganz zurechnungsfähig. Hannover, 9. Oktober. Auf der Obstausstellung in Bremen erhielt die Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem drei erste Preise und zwar: 1. für die beste Sammlung von hochstämmigen Obftbäumen, 2. für die beste Sammlung gut gezogener Zwergobstbäume und 3. für die beste und zweckmäßigste Vorführung von Obstbäumen und Fruchtsträuchern. Kassel, 15. Oktober. Das amtliche Wahlergebniß der am 11 d. M. im Wahlkreise Rinteln-Hosgeismar-Wolfhagen stattgehabten Reichstagsersatzwahl ist die Stichwahl zwischen dem konservativen Bürgermeister und Landwirth Lippoldes zu Weibeck, der 2636 Stimmen erhielt, und dem antisemitischen Arzt Rudolf Vogel zu Oberweiler, der es nur auf 2353 Stimmen brachte. Im Jahre 1898 erhielt der antisemitische Kandidat Dr. Vielhaben 6035 Stimmen und drang deshalb gleich im ersten Wahlgange durch. Der Rückgang der antisemitischen Stimmen in diesem vielfach als fester antisemitischer Besitz angesehenen Wahlkreise ist so erheblich, daß die Antisemiten allerhand Gründe hervorsuchen, um ihre Niederlage zu beschönigen, aber auch nun alle Hebel in Bewegung setzen, um bei der Stichwahl die Scharte wieder auszuwetzen. Dresden, 6. Oktober. Der verantwortliche Redakteur der antisemitischen „Deutschen Wacht", F. K. H. H. B e r t h o l d hatte sich gestern vor Gericht dafür zu verantworten, daß er am 12. Mai d. Js. in Nr. 109 der genannten Zeitung eine Mittheilung abdrucken ließ, durch die der Argwohn zum Ausdruck gebracht