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Im deutschen Reich · 1900-10-01 · Heft 10 (Oktober 1900) · p. 507

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 10 (Oktober 1900)
Article
Die Juden in Italien
Date
1900-10-01
Page
507 (sequence 2)
Language
German
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Die Juden in Italien. ÖUT neuen Generationen, welche in einem halben Jahrhundert auf einander folgten, einer neuen Erziehung, neuen Gewohnheiten, neuen Bedürfniffen nachgaben, vernachlässigten sie, hauptsächlich in den höheren Klassen, Sprache, Schule und Tempel, d. h. die Grundstützen des Glaubens. Die jungen Leute bewiesen eine große Gleichgiltigkeit gegen das Bekenntniß, dem sie angehörten und trugen diese Gleichgiltigkeit, so zu sagen, zur Schau; gern vergaßen sie für sich das Bekenntniß, um zu vermeiden, daß andere sie daran erinnerten. Aber seitdem der Antisemitismus in den unwürdigsten und grausamsten Formen in Europa auszutretcn begann, ging in der Seele der italienischen Juden eine starke Reaktion zur Ehrung und Vertheidiguug des Judenthums vor sich. Von dem Augenblick an, da Haß, Vcrfolgungswuth, Herrschsucht unsere Ncligionsgemeinschast dem Hohne prcisgeben wollten, mußte diese Gcsammtheit überall erwachen und sich empören, und mußten es aus natürlichen« Edelmuth ganz besonders diejenigen Völker, die von jener Pest verschont geblieben waren. Auch bei dieser Gelegenheit bestätigte und wiederholte sich das alte Gesetz, nach welchem zur Erhaltung und Verewigung Israels Haß und Kriege mehr beitragen, als Duldung und Achtung seitens der Andersgläubigen. Der europäische Antisemitismus belebte in Italien den Funken des Semitismus von neuem. Tenn thatsächlich wurden die gleichgiltigsten oder den Geschicken des Judenthums entsremdetsten Geister unter uns auf's tiefste bei der letzten Tragödie erschüttert, welche viele Monate hindurch die gesammte Welt in Erregung hielt; und in wenigen Ländern erregten sich die Herzen wegen der Assaire Dreyfus so sehr wie in Italien. In jenen Tagen wurde Jude zu sein in unseren Städten auch von denjenigen wieder, als eine Ehre in Anspruch genommen, welche vorher solchen Empsindungen unzugänglich gewesen waren und das öffentlich erklärt hatten. Diese allgemeinen Tendenzen und Gewohnheiten trugen sehr dazu bei, Italien von der Plage des Antisemitismus unberührt zu lassen. Damit soll nicht gesagt sein und man glaube nicht, daß das Feld Israels in Italien nur mit Rosen besät sei, und daß nicht mancher, bisweilen stechende Dorn sich unter den Blumen verberge und aus ihnen hervorschaue: Vorurtheil, Unwissenheit und Neid verbreiten hier wie überall ihren bösartigen Einfluß. Aber der

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