Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 8 (August 1900)
- Article
- R. S. Berlin
- Date
- 1900-08-01
- Page
- 432 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316663-2316671--07080-2326391- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
432 Iin deutschen Reiche mittheilen zu können," — Daß die Antisemiten bei dieser Sache „sensationelle Wendungen" noch in zwölfter Stunde schaffen würden, ist von den Juden wohl erwartet worden, denn man kennt ja das Rezept, nach welchem Ernst Schneider und Vergani arbeiten, bereits zur Genüge! Die Ritualmord-Fabrikanten finden auch immer Zeugen, die sich plötzlich entsinnen, vor8Jahren eine gruselige Geschichte erlebt zu haben, und Berichterstatter, welche den „Wortlaut der Aussage" sehr genau kennen; es kommt nur darauf an, ob sie auch einen Untersuchungsrichter finden, der diesen Aussagen Glauben schenkt! K. .8. Berlin. Die Cigaretten-Fabrik „Oros" (Bernhard Berg, Kl. Hamburgerstraße 15) annonciert in der „Staatöbürger-Ztg." „GrafPückle r-Cigaretten", hervorragendmilde Qualität, 100 Stück 3 Mk." Die „Welt am Montag" bemerkt hierzu: „Bernhard Berg scheint ein kleiner Schäker zu sein. Hübsch können wir es freilich nicht finden, daß er seine Parteiführer in seinem Parteiblatt so verulkt." D. 8. Berlin. Die „Deutsche Tageszeitung" ergeht sich in heftigen Ausfällen gegen die Stadtverwaltung von Wiesbaden, weil diese sich veranlaßt fühlte, aus dem Kursaale das „Bayerische Vaterland", die „Deutsche Tageszeitung" und andere Antisemitenblätter entfernen zu lassen. Das agrarisch-antisemitische Blatt sieht in dieser Maßregel eine zu weit gehende Fürsorge für die jüdischen Kurgäste; es hat dafür kein Verstündniß, daß die ewigen Hetzereien auch bei jedem anständigen Christen Ekel erwecken, also den Erfolg der Kur beeinträchtigen. O. M« Berlin. An dem Tage, an welchem der Verfasser des volksthümlichen Schauspiels „D ie Anna - Lise", Hermann Hersch, vor 30 Jahren verschied, würdigte das Antisemitenblatt unter Hinweis auf die jetzigen erfolgreichen Aufführungen des gedachten Stückes im Karl Weiß-Theater die zündende Wirkung dieser dramatischen Schöpfung und betonte dabei, daß „Hersch 1859 und 1860 unter allen zeitgenössischen Dichtern den größten Rekord hatte und auch später vaterländischen und romantischen Themen treu blieb". Vielleicht wäre diese Anerkennung minder warm ausgefallen, wenn der „Staatöbürger-Ztg." bekannt gewesen wäre, daß Hersch auch stets seinem jüdischen Glauben treu geblieben ist' und sogar noch letzwillig Fürsorge getroffen hat, daß auch seine Kinder demselben treu bleiben sollten. Ehre seinem Andenken! A. C. Frankfurt a. O. Die Sache ist ziemlich harmlos. Bei der Ritterschlagsfeier des Johanniter-Ordens, die am 25. und 26. Juni in Sonnenburg (Neumark) stattfand, wurden zwei Ritter bei