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Im deutschen Reich · 1900-08-01 · Heft 8 (August 1900) · p. 431

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 8 (August 1900)
Article
L. K. Berlin
Date
1900-08-01
Page
431 (sequence 2)
Language
German
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Briefkasten der Redaktion. 431 Verfasser aus denselben zieht. Sein den Juden ertheilter Nath, sich vom Judenthum loszusagen, um den Verfolgungen zu entgehen, ist genau so viel rverth, wie-der Tadel, den-er gegen die Juden richtet, weil dieselben nicht ohne Weiteres die Möglichkeit zugeben, daß ein Fanatiker oder Wahnwitziger ihres Stammes den Konitzer Gymnasiasten Winter ermordet habe. Er übersieht dabei, daß von jüdischer Seite durchaus nicht der Standpunkt vertreten worden ist, ein Jude könne die That nicht begangen haben, sondern nur dagegen Verwahrung eingelegt wurde, daß von antisemitischer Seite starrsinnig behauptet wird, ein Jude müsse die That und zwar aus religiösem Fanatismus begangen haben. Wenn aber selbst ein einzelner Jude oder eine jüdische „Sekte" ein Verbrechen begangen hätte, würde dies doch niemandem das Recht geben, den unbetheiligten Stammesgenosien die Fenster einzuwerfen oder die Köpfe zu zerschlagen. Vollständig falsch ist aber die Annahme des Verfasiers, daß die Lossagung vom Judenthum die Juden vor dem Haß der Neider und der Rohheit fanatischer Gegner retten kann. Mit diesem Haß und dieser Rohheit haben die Juden seit Jahrtausenden zu rechnen gehabt; was sie rettete, war nicht die Fahnenflucht, sondern die Gesinnungstüchtigkeit, die Glaubenstreue und der Stolz auf eine Religion, welche den tiefsten Abscheu vor Verbrechen einflößt und in den „Zehngeboten" der gesammten Welt die höchsten Lehren der Sittlichkeit übermittelt hat. Deshalb schrecken uns nicht die Ausbrüche des Pöbelhasies; nur die „Halben" haben die „Zukunft" zu fürchten! R. S. Berlin. Die „Staatsbürger - Ztg." läßt sich aus Polna schreiben: „In der Mordaffaire des jüdischen Kürschnergehilfen Leopold Hülsner ist eine sensationelle, von den Juden nicht erwartete Wendung eingetreten; es wurde Hülsner nachgewiesen, daß er vor ungefähr acht Jahren an einem Mordversuche, den er in Gemeinschaft mit vier anderen in Polna unbekannt gewesenen Juden an einem 14 jährigen Mädchen verübte, betheiligt war. Ueber den Mordversuch fanden damals gerichtliche Erhebungen statt, die aber eingestellt wurden, da man damals den präcisen Angaben des Mädchens — es war dies die Dienstmagd Marie Koumarova — keinen Glauben schenkte. Nun, da Hülsner zwei Mädchenmorde nachgewiesen wurden, erinnerte man sich der damalserstatteten Anzeige und dehnte nun die Untersuchung gegen Hülsner auch wegen dieses Mordversuches aus. Die Drenstmagd Koumarova, welche zur Zeit in Hlinsko in Böhmen, bedienstet ist, wurde bereits bei Gericht vernommen. Unser Berichterstatter ist in der Lage, den Wortlaut der Aussage des Mädchens, die dasselbe vor Gericht abgab.

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