Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 8 (August 1900)
- Article
- Wien
- Date
- 1900-08-01
- Page
- 423 (sequence 2)
- Language
- German
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Lorrespon-enzen. 423 eines geringfügigen Vergehens sich den ganzen Tag Herumgetrieben hatte, aber noch am Abend nach Hause zurückkehrte. Am nächsten Tage ließ sich die Chlodnicka von einem Eisenbahnbeamten durch einige Gläser Branntwein verleiten, jene Fabel zu erdichten. Nach Mittheilungen der O e st e r r e i ch i s ch-J sraelitischen Union sind in Galizien neuerdings wieder zwei Fälle von Mädchenraub bekannt geworden« Am Versöhnungstage (11. September 1899) wurde die 16 Jahre alte Tochter Esther der in Szucinska bei Tarnow wohnhaften Wittwe Chane Weiser, während diese in der Synagoge war, von mehreren Bauern gewaltsam entführt und in das Kloster der Felicianerinnen gebracht. In dieses Kloster ist vor einiger Zeit die 15 jährige Tochter Feige! des Handelsmannes Mendel Segeltuch aus Dobczycze von zwei christlichen Schneiderinnen gebracht worden. Außerdem sollen noch zwei israelitische Mädchen aus Russisch-Polen im Kloster sein. <£> Prag, 7. August. Der lang gesuchte Knabe Franz Jonas aus Neu-Benatek, dessen Verschwinden von der Antisemitenpreffe mit einem „Ritualmord" in Zusammenhang gebracht und als Anlaß zu Straßenaufläufen benutzt wurde, ist am 5. d. M. in Slovata gesund aufgefunden und von der Gensdarmerie nach Neu-Benatek geschafft worden. Der Knabe gab an, wegen schlechter Behandlung seitens seiner Eltern von Hause entlaufen zu sein. Das Masaryk'sche Organ „Czas" berichtet: „Wie die Antisemiten im Geheimen arbeiten, dafür zeugt ein Ouiproquo, welches sich am 3. August in unserer Redaktion abspielte. Es besuchte uns, offenbar in Folge eines Jrrthums, der Rabbiner Jehuda T i l l i n g e r aus Zablotow in Galizien, welcher in der Wohlthätigkeits-Gemeinde zu Berlin als Rabbiner thatig war. Aus seinen Beziehungen mit der genannten Gemeinde erblühte eine Reihe von Streitschriften, die er uns unterbreitete, wobei er sich als einen in seinen Rechten verkürzten Menschen hinstellte. Schließlich wurde er aus Berlin ausgewiesen. Nunmehr begannen sich dieses offenbar beklagenswerthen Menschen die Antisemiten in ihrer Art zu bemächtigen. Sie fühlten heraus, daß er sich bei seinem geistig erregten Zustande sehr leicht für ihre Zwecke ausnützen lasten werde. Alsbald schenkten die Redaktionen reichsdeutscher antisemitischer Blätter ihm ihre Beachtung, und zwar die „Staatsbürger-Zeitung" und der „Deutsche General-Anzeiger", welcher ihm Empfehlungen nach Oesterreich gab, darunter an Ernst Bergani. In Prag kam Tillinger mit dem bekannten Canonicus Rohling zusammen, welcher ihm an Pfarrer D e ck e r t in Wien Empfehlungen gab, in welchen Rohling darauf aufmerksam macht, daß