Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1900-08-01 · Heft 8 (August 1900) · p. 421

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 8 (August 1900)
Article
München
Date
1900-08-01
Page
421 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316663-2316671--07050-2326380
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Korrespondenzen. 422 stellen; er meinte, der heutige Tag zeige wieder, wie er fortgesetzt von den Juden bekämpft werde; diesen Angriffen gegenüber befinde er sich in der.Abwehr. Einen Wahrheitsbeweis brauche er nicht zu erbringen, da er nur die in Polna herrschenden Ansichten objektivwiedergegeben habe. Das Gericht war anderer Ansicht und hielt eine Gefängnißstrafe von zehn Tagen für angemeffen, die.mit der noch unverbüßten vierzehntägigen Strafe wegen Beleidigung des Rabbiners Goldberger eine Gesammtstrafe von drei Wochen ergab. L, Wiirzburg, 3. August. Vor einigen Monaten war gegen den Handelsmann Moritz Sichel wegen eines Sittlichkeitsvergehens vor dem unterfränkischen Schwurgericht verhandelt worden. Das gefällte Urtheil schien der antisemitischen „Neuen BayerischenLandeszeitung" zu mild. In ihrer Besprechung des Urtheils beschuldigte sie den Pfarrer Röder von Beitshöchheim, an einen Konfrater einen Brief geschrieben zu haben, damit dieser auf einen Zeugen zu Gunsten des Juden Sichel einwirken solle. Pfarrer Röder stellte deshalb Beleidigungsklage, worauf der Redakteur Thomas Memminger am 17. Juli vom Schöffengericht zu einem Monat. Gefängniß verurtheilt wurde. -j- Schwein furt, 8. August. Vor dem hiesigen Landgericht wurde am 6. d. M. in der Strafsache gegen den jüdischen Metzger Jacob Frank aus Haß für t, welcher beschuldigt war, im Herbst des vergangenen Jahres eine junge Ziege vor dem Schlachten besudelt zu haben, verhandelt. Frank erhielt deshalb s. Z. ein Strafmandat in der Höhe van 45 Mark, legte aber dagegen Berufung ein, worauf die Sache vor das Landgericht Schweinfurt kam. Der Untersuchungsrichter, Landgerichtsrath Sohn, betonte in der Verhandlung, daß der einzige Thatzeuge Stahlmann fast bei jeder Vernehmung seine Aussage geändert habe. Bei der Konfrontation des Stahlmann mit dem Untersuchungsrichter verwickelte sich der erstere in Widersprüche, so daß der Staatsanwalt erklärte, er könne nach Lage der Sache einen Antrag auf Verurtheilung nicht stellen. Nach kurzer Verathung verkündigte der Gerichtshof den Freispruch, mit der Begründung, daß sich auf die Aussage des Stahlmann eine bestimmte richterliche Ueberzeugung nicht gründen laffe. O Ulm. 16. August. In der Nacht zum 22. Mai 1894 wurde der Friseurlehrling Paul Müller von hier in der Fischergaffe ermordet und in Stücke geschnitten aufgefunden. Obwohl in Ulm bis dahin von Antisemitismus wenig zu merken war, wurden doch bald Stimmen laut, die den damaligen Schächter der hiesigen israelitischen Gemeinde, einen in Ehren ergrauten Mann, der Mordthat

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.