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Im deutschen Reich · 1900-08-01 · Heft 8 (August 1900) · p. 418

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 8 (August 1900)
Article
Saalfeld i. Ostpr.
Date
1900-08-01
Page
418 (sequence 2)
Language
German
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418 Im deutschen Reich. mit den Worten: „Gezwungen durch die Gewalt des Staates, will ich den Eid leisten!" Er wurde darauf wegen Ungebühr vor Gericht zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilt. O Krefeld, 4. August. Am 18. April d. I. war der Redakteur der hiesigen antisemitischen „Deutschen Zeitung" von der Strafkammer wegen Veröffentlichung eines die jüdische Religionsgemeinschaft beschimpfenden Artikels zu einer Woche Gefängniß verurtheilt worden. Es wurde festgestellt, daß der Angeklagte ausdrücklich das Kolnidre- Gebet herabsetzen wollte. Uebrigens war Redakteur Jöken mit zwei Tagen Gefängniß vorbestraft, weil er in einem früheren Artikel geschrieben hatte, der Jude könne sich von seinem Rabbiner jederzeit von seinem Eide lossprechen lassen. — Die Revision des Angeklagten, die vor dem Reichsgericht zur Verhandlung kam, stützte sich auf prozeßrechtliche Verstöße. Gemäß dem Anträge des Reichsanwalts hob das Reichsgericht lediglich aus formellen Gründen das Urtheil auf und verwies die Sache an die Strafkammer zurück, vor der sie am 31. Juli nochmals verhandelt wurde. Es wurde wieder auf eine Woche Gefängniß erkannt. L. Marburg i. H., 1. August. In der hier erscheinenden Zeitschrift „ChristlicheWelt" veröffentlichte kürzlich derProfeffor der Theologie Lic. Dr. I ü l i ch e r, eine Betrachtung über die Konitzer Vorfälle, in welcher er u. a. sagte: „Als das Schmerzlichste bei dieser Sache erscheint mir die Erfahrung, daß die christliche Preffe so überaus wenig Verständniß für die solchen Erscheinungen gegenüber des Christenthums würdige Haltung zeigt. Ich habe dabei nicht die antisemitische Hetzpresse im. Auge, von der niemand viel Sinn für Wahrheit und Gerechtigkeit erwartet. Aber in der Preffe, die es liebt, sich als die berufene Vertretung echt kirchlicher Gesinnung bei uns zu betrachten, offenbart sich von den großen konservativen Zeitungen der Hauptstadt an, die „positiven" Kirchenzeitungen nicht ausgeschloffen, bis herab zu den bescheidenen Provinzialblättchen eine merkwürdige Einmüthigkeit in der Sympathie für die Stimmungen des westpreußischen Pöbels. . .* Wenn die Männer, die das Volk in christlichem Geiste führen wollen, es indirekt in seinen wilden Instinkten, die niemals der Sache nützen, wohl aber ihm selber schwer schaden, durch Entschuldigung und Rechtfertigung bestärken, was kann dann vom Volk erwartet werden? Breite Kreise der Kirche sind — denn leider stehen hinter der konservativen Preffe noch gewichtigere Potenzen — im Bunde mit Unwissenheit und Leidenschaft, wo doch gerade im Kampfe mit dem Judenthum das Christenthum durch reinere Erkenntniß und Unbefangenheit des ge-

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