Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 8 (August 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-08-01
- Page
- 403 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau. 40& heterogenen Elemente hält nur noch ein loses Band zusammen, das des Judenhasses, 'aber der verblendete Neligions- und Rassenhaß eignet sich in Deutschland längst nicht mehr zu einer Parteilosung. — weil wir eben nicht in China leben! Jeder besonnene Politiker ist davon überzeugt, daß dieser Haß eine zweischneidige Wasse ist, die auch den verwundet, der sie führt. Den Führern der staatserhaltenden Parteien muß deshalb daran gelegen sein, daß alle Organe derselben das Tischtuch zwischen sich und den Antisemiten zerschneiden, deren Umgang offenbar den Charakter verdirbt. Hoffentlich dienen die von der „Germania" in der Konitzer Sache gemachten Erfahrungen dazu, auch die seltsame Thatsache zu ändern, daß das Organ des Centrums den Antisemitismus fördert, während die Führer des Centrums, den Grundsätzen Windhorst's getreu, stets für die Freiheit der religiösen Ueberzeugung und den paritätischen Staat eintreten. In demselben Sinne äußern sich bei jeder Gelegenheit die hervorragendsten katholischenKirchenfürsten sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich und Ungarn. Als am 26. Juni eine Abordnung der Kölner Synagogen - Gemeinde den Erzbischof Simer begrüßte, erwiderte dieser Kirchenfürft auf die Ansprache des Rabbiners Dr. Frank: „Wie einst vor 2000 Jahren einer der größten Männer des jüdischen Stammes in seinem Sendschreiben an die Römer hervorgehoben, indem er fragte: „Was haben die Juden vor den Heiden voraus?" und die Antwort gab: sie haben den Vorzug, daß sie im Besitze des Gotteswortes sind, und ein anderes Mal, „daß sie das Volk des Bundes sind", ebenso erkenne auch ich diesen Vorzug des israelitischen Volkes an. Sie sind nun einmal das von Gott auserwählte Volk, von ihm ausgezeichnet durch den Besitz des Gotteswortes und die Verheißung des Heiles für die ganze Menschheit. Von diesem religiösen Standpunkte aus ist meine Stellung gegen Israel gegeben und von dem christlichen Grundgesetze der Liebe bestimmt« So wie ich denkt jeder katholische, Bischof. Diese Gesinnung werde ich den Israeliten der ganv -r Diöcese bewahren und gegebenen Falls dieselbe auch prali^y bethatigen." Bei dem am 29. Juli in Debreczin gefeierten 25 jährigen Priester-Jubiläum des Bischofs FerdinandWolafka. wurde dieser von einer Deputation der jüdischen Kultusgemeinde beglückwünscht. Auf die Ansprache des Oberrabbiners Wilhelm Kraus erwiderte der Bischof: „Es war stets mein Hauptbestreben, daß wir uns hienieden gegenseitig lieben und schätzen als Kinder eines himmlischen Vaters. Diese Liebe und Wertschätzung pflege ich und pflegen meine Gläubigen aüch gegen die Israeliten. Wenn aber Umstände