Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- O. S. Leipzig
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 369 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316663-2316670--06960-2326220- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Briefkasten der Redaktion. 369 sohn eines Hamburger Juden) sogar Antisemit ist. Es muß doch sehr wenige Juden geben, welche die Gesetze verletzen, da das Blatt Liebermann's, um die ominöse Rubrik zu füllen, entweder Delikte verzeichnet, die in einem kaum auffindbaren Orte in Galizien oder Rumänien begangen worden sein sollen, oder Delikte, die nicht von Juden, sondern von Antisemiten begangen worden sind. D. N. Leipzig. Unter der Ueberschrift „Talmi fürGold" brachten die „Deutsch-Sozialen Blätter" am 17. Mai eine Notiz, wonach ein jüdischer Religionslehrer wegen Betruges zu 50 Mk. Geldstrafe verurtheilt worden sei. Am 21. Juni sah sich das Organ Liebermann von Sonnenberg's durch den Hinweis auf den § 11 des Reichspreßgesetzes veranlaßt, nachstehende Berichtigung zu bringen: „Talmi für Gold". Zu dieser Notiz in Nr. 613 schreibt uns der israelitische Religionslehrer F. Ehrmann zu Germersheim: „Es ist nicht wahr, daß ich eine tombackne Uhrkette als Gold verkauft habe. Ich bin in der Berufungsinstanz auf Antrag der Staatsanwaltschaft freigesprochen, und es sind die Kosten— auch die der Verteidigung und des Entlastungsbeweises — der Staatskasse auferlegt worden." V. K. Prag. Unsere antisemitischen Blätter sind leider noch weit mehr als die in Böhmen erschienenen judenfeindlichen Organe in der Lage, die Preßfreiheit zu mißbrauchen. Die Saazer „Nationale Zeitung" wurde, wie aus dem stenographischen Protokolle des Neichsrathes (Sitzung vom 19» Mai) hervorgeht, beschlagnahmt, weil sie folgenden Aufruf enthielt: „Unsere Gesinnungsgenossen bitten wir, uns alle Fälle von jüdischen Uebergriffen bekannt zu geben. Wenn sie von schlimmen Handelskniffen, Gaunereien, betrügerischen Bankerotten, Wuchergeschäften, Börsenschwindel, Menschenhandel und was sonst die Juden mit Vorliebe für verderbliche und verächtliche Dinge betreiben, hören, mögen Sie uns sofort hiervon benachrichügen, damit diese Sachen der Oeffentlichlichkeit übergeben und den Unkundigen die Augen geöffnet werden können."