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Im deutschen Reich · 1900-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1900) · p. 366

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1900)
Article
P. K. Berlin
Date
1900-06-01
Page
366 (sequence 3)
Language
German
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366 Im deutschen Reich. ehrenhaft erscheint! Wer so wie Herr Lewinsohn in diesem Briefe öffentlich sein Judenthum verleugnet, hat eigentlich gar kein Recht mehr, diejenigen zu beschimpfen, welche der Abtrünnigkeit nur das Siegel aufdrücken! M. W., Berlin. In diesem Falle handelt es sich nicht um einen jüdischen Industriellen, der charakterlos genug ist, seine Erzeugnisse in einem judenfeindlichen Blatte anzupreisen. Herr Paul L a ch m a n n in Sommerfeld ist Christ; ihn: ist es außerdem umsoweniger zu verdenken, wenn er seine Herrenanzugstoffe in der „Staatsbürger-Ztg." ankündigt, da er außerdem Antisemit und wohl auf die Kundschaft seiner antisemitischen Gesinnungsgenoffen hauptsächlich angewiesen ist. Gönnen Sie ihm diese Kunden! C. B., Neu-Rttppin. Wir haben uns für den Vorfall interessiert, weil wir nach der bestimmten Angabe des dortigen Blattes annehmen mußten, daß es sich um einen Juden handle. Die „Neu-Nuppiner Ztg." schrieb in ihrer Nummer 109 vom 11. Mai d. I.: „Einer groben Ausschreitung machten sich eine Civilperson und z w e i Unter - Offiziere gesternAbend schuldig. Sie bewarfen in einem hiesigen Gasthofe das Fenster eines jüdischen Handlungsreisenden mit Schmutz, so daß es vollständig besudelt wurde. Die drei Personen hatten den Reisenden vorher im Lokale des Gasthofs seiner Religion wegen mit unpassenden Redensarten belästigt." — Auf unsere Anfrage ist uns aber keineswegs der Bescheid ertheilt worden, welchen die „Staatsbürger-Ztg." am 31. Mai mitgetheilt hat. Herr Gerullis ist kein Jude, aber jedenfalls ein anständiger Mann. Die angebliche Antwort: „Ich bin Gott sei Dank kein Jude, sondern einDeutscher und zwar ein echterLithauer" ist offenbar einefreieErfindung des Antisemitenblattes. Der uns zugegangene Brief lautet wörtlich: Friedenau, 24 Mai. 1900. Ew. Hochwohlgeboren! Sage für die Nebersendung Ihrer Zuschrift meinen Dank. Doch hat sich die Sache nicht ganz so zugetragen, wie es in Ihrem Werthen angegeben. Erstens bin ich nicht jüdischer Religion, sondern Christ. Zweitens wurde ich zwar für einen Juden gehalten, doch nahm ich dabei auch die Juden in Schutz. Drittens kenne ich die beiden Unteroffiziere und werde das Nöthige selbst veranlassen. Auch bin ich kein Handlungsreisendcr. Hochachtungsvoll gez. Adolf Gerullis. Nochmals Dank für Zusendung.

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