Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 363 (sequence 5)
- Language
- German
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vereiiisnachrichten. 363 Pöbelwahn kämpfen ohne Menschenscheu, getragen von dem Bewußtsein der Vertheidigung einer guten und gerechten'Sache! Für die zunächst bedrängten und schwer geschädigten Glaubensgenoffen im ganzen Konitzer Kreise war aber das Bestehen einer organisierten Vertretung von mehr als 50 000 deutschen Juden ein besonders erhebender Gedanke. Ihnen gilt unser Verein als „eine Burg und eine Mutter in Jsrael", eine „Burg", weil hier ein weithin sichtbarer Mittelpunkt, geschaffen ist, von welchem aus die Vertheidigung der Rechte der Juden in besonnener zielbewußter Weise geführt und geleitet wird, eine „Mutter", weil wir dort, wo wirksamer Beistand unmöglich ist, Rath und Trost zu spenden und echtes Mitgefühl zu bekunden bemüht sind. Dies erklärt es, daß sich mehr und mehr die deutschen Juden zu uns schaaren auf dem Felde, auf welchem sich die Angehörigen der verschiedensten religiösen und politischen Richtungen die Hände reichen zur mannhasten Wahrung ihrer Ehre und ihrer Rechte, daß sich in vielen deutschen Gemeinden Männer finden, welche für den Anschluß an den Central-Verein mit rühmlichem Eifer Anhänger werben, Mitkämpfer für die gute Sache, treue Söhne des deutschen Vaterlandes und ebenso treue Anhänger des von den Vätern ererbten Glaubens! In der Roth lernt man nicht nur beten, sondern auch seine wahren Freunde kennen und schätzen. Wenn sonst in der Frühlingszeit das Jntereffe an unseren Bestrebungen sich schwächer als im Winter bekundete, war dies in diesem Jahre nicht der Fall. Täglich erfolgten aus den verschiedensten Theilen Deutschlands Mirgliederanmeldungen, zum Theil sogar in sehr ansehnlicher Zahl, so z. B. aus Stettin über l50 (wodurch die Zahl der dorrigen Mitglieder sich auf 200 erhöhte), aus München über 50, ferner aus Dortmund, Duisburg, Haynau, Könitz, Landsberg a. W., Neustettin, Ratibor u. s. w. u. s. w. Den Vertrauensmännern, welche zn diesem Zuwachs die Anregung gaben, gilt unser aufrichtiger Dank; ihr bester Lohn ist sicher daSBewußtsein, daß sie helfen, den Central-Verein zu einem Faktor zu machen, mit welchem Feind und Freund rechnen. Werrr? wir unsere Sache nicht selbst ausgeben, ist dieselbe nicht verloren; wir sind keine politische und wirtschaftliche Interessengemeinschaft, wir streiten nicht um irdischen Gewinn, sondern für die höchsten Ideale der Menschheit; wir wollen keine Begünstigung, leine Vorrechte, sondern Recht und Gerechtigkeit, und je furchtloser wir diese fordern, desto mehr erweisen wir uns als echte deutsche Männer in des Wortes höchster und edelster Bedeutung!, A. L.