Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- Köln
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 357 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 357 wir es wagen, ungebeten die Kultur ut’§ ferne Ausland zu' tragenwenn unsere eigene Kultur so viel noch zu wünschen übrig läßt? Mit welcher Stirn wollen wir den Chinesen Vorwürfe machen, daß sie christliche Missionäre beschuldigen, zu rituellen und medizinischen Zwecken chinesische Kinder zu morden? Wie dürfen wir es Mandarinen verargen, daß sie diesen Glauben theilen und ausnutzen, wenn doch nach großen deutschen Zeitungen eine christliche Regierung, christliche Justiz im Einverständnisse handeln mit jüdischen Ritualmördern?" — Zum Chefarzt am hiesigen städtischen Krankenhause wurde an Stelle des verstorbenen Profeffors Lichtenstern der außerordentliche Professor an der Straßburger Universität, Dr. Minkowski, gewählt. ® Hamburg, 12. Juni. Nach Borkum ist nachstehendes von 63 hiesigen Aerzten unterzeichnetes Schreiben abgegangen: „Hamburg, den 8. Juni 1900. An die B a d e k o m m i s s i o n Borkum. Vor Kurzem sandten Sie an hiesige Aerzte und so auch an fast alle Unterzeichneten eine Mittheilung über die in Ihrem .Kurorte gemachten Neueinrichtungen, offenbar in der Absicht, daß wir Ihr Bad empfehlen sollen. Wir sehen uns dem gegenüber zu der Erklärung veranlaßt, daß wir Borkum als Kurort nicht bloß nicht empfehlen, sondern vielmehr unseren Klienten sowie allen unserem Einflüsse zugänglichen Personen dringend abrathen werden, einen Kurort wie Borkum zu besuchen, wo antisemitische Rohheiten, die auch jeden anständigen Christen anwidern muffen, nach Inhalt vielfacher, bisher unwidersprochen gebliebener Zeitungsberichte bis in die jüngste Zeit vorgekommen sind. Da die Badeverwaltung sich nicht veranlaßt gesehen hat, in irgend einer Weise dagegen einzuschreiten, so darf aus dieser Thatsache geschlossen werden, daß die oben bezeichneten Ausschreitungen mit Billigung der Badeverwaltung geschehen." K Nürnberg, 2. Juni. Der hiesige W ä r m st u b e n - und Wohlthätigkeitsverein hat zur Ehrung des Andenkens seines ehemaligen Vereinsvorstandes, Eugen Herz, vor einigen Tagen eine Feier veranstaltet, bei welcher das von dem Bildhauer Herzog modellierte und von dem Erzgießer Lenz ausgeführte Wedaillon- Bildniß des Dahingeschiedenen enthüllt wurde. Der Direktor des Zellengefängniffes, Negierungsrath Baumgärte!, welcher die Festrede hielt, gedachte der unermüdlichen Anstrengungen des Verstorbenen zur Ausbringung der Mittel zur Schaffung und Erhaltung der Wärmstuben und hob hervor, daß in der Geschichte der Wohlthätigkeits-