Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- Rummelsburg i. Pommern
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 354 (sequence 2)
- Language
- German
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354 3m deutschen Reich. mehr als drei Leute sich zusammen auf der Straße aufhalten dürfen uud Nichterwachsene abends die Straße zu meiden haben. £ Danzig, 6. Juni. Aus L auenburg wird der „Danziger Ztg." berichtet: „Nach langem Hetzen ist es gelungen, unsere Arbeiterbevölkerung zu antisemitischen Ausschreitungen zu veranlassen. Dieselben sind jedoch bisher ohne Bedeutung gewesen. Dazu hat besonders das Verhalten der Polizeibehörde beigetragen, welche sofort Maßregeln ergriffen hat, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Besonderer Dank gebührt aber auch Herrn Superintendenten Bogdan, welcher in der St. Salvatorkirche in eindringlicher Weise gegen diese Ausschreitungen sprach und die Bevölkerung zu brüderlicher Eintracht ermahnte. Die Anstifter der Ausschreitungen sind bereits polizeilich vernommen und werden ihrer Bestrafung nicht entgehen." Q Schlochau, 5. Juni. Gleich nach der Beerdigung Winter's kam es hier allabendlich zu Zusammenrottungen und Ruhestörungen, die schließlich während des Jahrmarktes einen gefährlichen Charakter annahmen. Die beiden städtischen Polizisten waren machtlos; auch nach Verstärkung derselben durch zwei Nachtwächter und einen Gensdarmen gelang es nicht, die Ruhestörer zu zerstreuen. Plötzlich tauchte die Behauptung auf, daß der Kaufmann Hirsch auf die vor seinem Hause stehende Menge mit Steinen geworfen habe, — eine'vollständig grundlose Beschuldigung, wie solche schon vor 16 Jahren bei den Krawallen in Neustettin und Hammerstein gegen die Juden' erhoben worden ist.. Was nun geschah, spottet jeder Beschreibung. Wildes Gejohle, dumpfes Krachen und Fensterklirren hielt Christen wie Juden stundenlang in Aufregung und Schrecken. Gegen die durch Jalousien und Läden geschützten' Schaufenster wurden kopfgroße Steine mit solcher Wucht geschleudert, daß die Scheiben trotz des Schutzes in Stücke gingen. Sein besonderes Augenmerk hatte man diesmal auch auf die in den zweiten Etagen gelegenen Wohnräume gerichtet. Der durch die Ruhestörer verursachte Schaden wird auf mehr als 1000 Mk. geschätzt. Wie verlautet, sind einige 20 Personen bei der Staatsanwaltschaft wegen Landfriedensbruchs zur Anzeige gebracht. Weitere Ausschreitungen sind durch die Maßnahmen. des Landraths verhindert worden. Der evangelische Pfarrer Böttcher hat in dankenswerter Weise am ersten Pfingstfeiertag. an seine Kirchengemeinde ernste Mahnworte zur Beruhigung gerichtet. L. Krojanke, 2. Juni. In Folge der Konitzer Mordthat kam es hier am 29. Mai zwischen hiesigen Bürgern und auswärtigen jüdischen Geschäftsleuten wiederholt zu Zusammenstößen, welche das Einschreiten der Polizei, ferner der an dem Markttage hier anwesenden