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Im deutschen Reich · 1900-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1900) · p. 351

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1900)
Article
Kattowitz
Date
1900-06-01
Page
351 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Korrespondenzen. 351 Kattowitz, 12. Juni» Aus Oswiencim wurde kürzlich berichtet, daß sich dort das Gerücht verbreitete, die seit Anfang April verschwundene Magd Magd a Kain tuf sei auf dem jüdischen Friedhofe vergraben aufgefunden und in die Leichenhalle des katholischen Friedhofes geschafft worden. Vor dieser Halle sammelte sich eine große Menschenmenge an, und als der dortige Wächter versicherte, daß sich niemand in der Halle befinde, drangen einige Männer in die Todtenkammer ein, ohne jedoch eine Leiche vorzufinden. Nun richtete sich die Wuth der Menge gegen die Israeliten, denen mit der Demolierung ihrer Häuser gedroht wurde. Erst als die Gendarmerie von Oswiencim einschritt, zerstreute sich die Menge. Am 11» Juni gelang es endlich dem Polizeisergeanten Halemba, die seit Wochen verschwundene Grzesniak auf dem Boden der Wittwe Cziga in Jast zu ermitteln, wo sie angeblich mit einem übel beleumdeten Manne ein Verhältniß unterhalten Hat. Der Jubel der Bevölkerung von Oswiencim über die gelungene Ermittelung war groß; man wußte kaum, wie man dem Kriminalbeamten, der die Grzesniak nach Oswiencim zurückbrachte, danken sollte. chii Königshütte, 8. Juni. Die „Königshütter Ztg." berichtet: „Am Dienstag fcnn ein . jüdischer Händler aus Rußland mit seiner 5 Jahre alten Tochter nach hier, um wegen eines Fußleidens derselben den Herrn Geheimrath Dr. Wagner zu konsultieren. Kaum hatte man hier den Mann auf der Straße gesehen, als auch schon wie ein Lauffeuer das Gerücht verbreitet war, derselbe habe das Kind entführt und wolle damit über die Grenze. Der von einer großen Menschenmenge hart bedrängte Vater mußte die hiesige Polizei zu seinem Schutz in Anspruch nehmen, sonst wäre es ihm übel ergangen." L- Posen, 10. Juni. Das hiesige Antisemitenblatt „Posten" veröffentlichte am 27. Mai d. I. unter der Spitzmarke „E i n räthselhaftes Ereigniß" nachfolgendes ihm aus Pudewitz zugegangenes Schreiben: Pobiedziska, den 23. Mai. Im vorigen Jahre, also 1899, diente hier ein christliches (evangelisches) Mädchen, Hedwig (Jadwiga) Zerbian, 15 Jahre alt, aus PobiedziSk stammend, welches arme, aber ehrliche Eltern hat und nett im Aussehen ist, bei einem gewisien Juden, auch hier in Pobiedziska. An welchem Tage denkt sie nicht, doch wie sie uns erzählte, war es im Winter, also vor Ostern, wollte es ein Zufall, daß sie sich mit einer Gabel in den Finger stach, wonach ziemlich viel Blut ge- 25*

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