Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- Potsdam
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 349 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316663-2316670--06891-2326200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 84? zwei Stunden gewährt hatte, wurde die Unruhe so groß, daß der überwachende Beamte im Interesse der öffentlichen Ordnung die Auflösung verfügte. © Frankfurt a. d. Od., 1. Juni. Der Provinzialverband der deutsch-sozialen Reformpartei für Brandenburg und Berlin hatte auf den Abend des 29. Mai im Saale des „Leipziger Garten" eine öffentliche Versammlung anberaumt, bei deren Eröffnung nur 1b Personen anwesend waren. Herr OttoHeinrich Böckle r-Berlin hielt trotzdem seinen schon oft anderwärts gehaltenen Vortrag über das Thema „Welche Ziele verfolgt die deutsch-soziale Reformpartei" und erklärte dabei, daß man trotz des geringen Besuches der Versammlung den Versuch machen wolle, das „Banner der deutsch-sozialen Reformpartei" hier zu entfalten. Darauf legte der Redner die Stellung seiner Partei zu verschiedenen Gesetzen klar, berührte auch den Konitzer Mord und machte bei dieser Gelegenheit seinem Groll Luft über das Verhalten der Staatsanwaltschaft und der übrigen Behörden. Eine Diskussion entspann sich nicht. H Magdeburg, 2. Juni. Kennzeichnend für das Wesen der hiesigen Antisemiten und für das unablässig die jüdischen Geschäftsleute verunglimpfende antisemitische Blatt „S a ch s e n s ch a u" ist der schmähliche Zusammenbruch des Scholz'schen Geschäfts in Bärby, für welches das Antisemiten-Organ s. Z. so große Reklame machte. Am 19. Juli 1898 veröffentlichte die „Sachsenschau" Folgendes: B a r b y. ((rin arger Schreck ist den Inden unserer guten früher sehr judenfrcundlichen Stadt in die Glieder gefahren! —) Seit Jahren hatten wir in Barby lediglich jüdische Schnitrwaarengeschäfte. Das ist nun anders worden in dieser neuen Zeit' — Ein seit längerer Zeit bestehendes Geschäft, das sich in Judenhänden befand, wurde von einem Christen erstanden. Diesem wurde es gewiß nicht überlassen, damit er darin Reickrthümer sammeln solle; cs lieg: vielmehr Grund vor zu der Annahme, daß die Inden dachten: „Tu kannst uns nicht entgehen! Du wirst „todtgcmacht!" — Diesmal hatten sie sich getäuscht: denn es kam anders! Das Unerhörteste ist festzustellen: Der Christ erfährt reichen Zuspruch von der christlichen Bevölkerung unserer Stadt, so daß er sich nicht nur halten kann, sondern sogar gute Geschäfte macht! — „Waih geschrieen!" ist das ein Schreck, der „unseren Lair" in die Knochen fährt! — Da hilft kein Mittel, diesen Gojim zu unterdrücken; Diesmal ist der Christ nicht abhängig von der jüdischen Konkurrenz, sondern diesmal stützen ihn seine christlichen Mitbürger! Cr versteht es, sich das Vertrauen des christlichen Publikums durch gute Waare und solide Preise immer mehr zu erwerben, 25