Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1900)
- Article
- K. C. Breslau
- Date
- 1900-05-01
- Page
- 294 (sequence 2)
- Language
- German
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294 Im deutschen Reich. Verkäufer suchen, hat ohne allen Grund die „Kreuz-Ztg." zu der Behauptung veranlaßt, daß es meist Juden seien, deren internationale Schmiegsamkeit nurGeschäftsrücksichten kenne. Von den wenigen Juden, die in der „Kreuz-Ztg." inserieren, mag dies vielleicht zutreffen; die Mehrzahl der Juden besitzt mindestens ebenso viel deutschen Nationalstolz als die Redakteure der „Kreuz-Ztg."» 8. C. Posen. Sie irren sich nicht: der Verfasser des Aufsatzes „Ein kritischer Spaziergang durch M. Lazarus* Ethik des Judenthums"ist derselbe Oberlehrer- B e n s e m e r in T h o r n, von welchem Dr. Phil. Bloch inPosen in dieser Zeitschrift (Heft 6—7 Jahrgang 1898) sagte, er habe „das Schild der geschichtlichen Wissenschaft nur ausgehängt, um unter dem anspruchsvollen Titel „Beiträge zu einer Geschichte des Blühens und deS Niederganges der Juden im Königreich Polen" die bekannten antisemitischen Scherze und Albernheiten anzubringen". Die Besprechung des Herrn Dr. Phil. Bloch schloß mit den Worten Goethe's: „lieber das Niederträchtige sich niemand beklage, denn es ist das Mächtige, was man auch sage". So lasien Sie denn den „kritischen Spaziergänger", der bei dem „Nordhäuser" Parteitage sich zur „wissenschaftlichen" Autorität der Antisemiten emporgeschwungen hat, ruhig laufen. Wer in Lazarus' „Ethik" viel Jüdisches aber wenig Ethik findet, dem gefeierten Stylisten die Fähigkeit abspricht. Deutsch zu sprechen und zu schreiben, — der hat sich nicht an dem Lesen des Werks, sondern schon weit früher durch antisemitisches Gift „förmlich den Magen verdorben" und dem wird man es glauben, wenn er am Schluffe seines „Spazierganges" selbst sagt, er habe bei der Reklame der Juden für ihre Ethik „an seine Tertianer und sein Dien st madchen" denken müssen!" — Professor Dr. Th. Achelis hat in Heft 333 der Virchow'scheu „Sammlung gemeinverständlicher wiffenschaftlicher Vorträge" kürzlich eine eingehende Würdigung der Arbeiten des ProfefforS Dr. Moritz LazaruS zur Lösung kulturgeschichtlicher, psychologischer, ethnologischer, ethisch-ästhetischer, religionsphilosophischer Fragen mit sachkundiger Hand und warmer Antheilnahme gegeben, und Achelis besitzt wahrlich eine Autorität, die sich mit derjenigen deS Herrn Bensemer messen kann. An ein schönes Wort von Lazarus hat die „Doffische Ztg." erinnert. Die historisch - psychologische Kritik der Bibel ermuthigend, sagt er: „Licht und Klarheit, Finsterniß und Dämmerung sollen sich von einander scheiden; was groß und tief ist, was aus dem Geiste und der Wahrheit stammt, soll gehegt, ausgebildet, wirksam erhalten werden; waS kindlich, dumpf und blöde war, waS aus der Schwäche und Unfähig-