Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1900)
- Article
- Bukarest
- Date
- 1900-05-01
- Page
- 283 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 283 Gleichberechtigung der in seinem Lande wohnenden Juden mit den anderen Konfessionen. Der Fürst beauftragte den Landesrabbiner mit der Unterbreitung von Vorschlägen zur Hebung der Kultur der bulgarischen Juden und Organisation ihrer Gemeinden. Iereirrsnachrrchlerr. Die außerordentliche Mitglieder-Versammlung, welche am 2. Mai d. I. im Saale des „Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde", Berlin W., Potsdamerstr. 9, abgehalten wurde, war so zahlreich besucht, daß der 600 Personen fassende Saal dicht gefüllt war und nach Eröffnung der Versammlung noch Hunderte vergeblich Einlaß zu erlangen versuchten. Die von dem Der einsvorfitzenden, Herrn Rechtsanwalt Dr. H orwitz, geleitete Versammlung wählte zunächst auf Antrag des Herrn Jaroczynski durch Akklamation den bisherigen Vorstand zum „Ausschuß" nach der neuen Satzung. Hierauf ging man zum Punkt 2 der Tagesordnung über, dem Vortrag des Herrn Profeffor Dr. Geiger: „Goethe und die Juden". Der Vortragende wies darauf hin, daß sein Thema eigentlich dem TageS-Jntereffe fern liege und daß es auch nicht seine Absicht sei, einen künstlichen Uebergang zu suchen von der die Herzen bewegenden Affäre, die sich jetzt im Osten abspiele, und der Gesinnung, welche Goethe dem Judenthum und den Juden gegenüber hegte und bekundete. Unwillkürlich dränge sich aber bei dieser Gelegenheit die Erinnerung an einen Brief auf, den August von Goethe am 22. April 1820 an seinen Vater richtete. In diesem Schreiben habe der Sohn des großen Altmeisters rühmend die Gesinnung eines Juden hervorgehoben, der die von dem Dresdener Gerichte ausgesetzte Belohnung von 1000 Thalern ausschlug, welche ihm dafür zugesprochen worden war, daß er zur Entdeckung eines Mörders des Malers von Kügelgen wesentlich beigetragen hatte. Dabei hatte 'der Jude erklärt, daß es seinen religiösen Anschauungen widerspreche, Blutgeld zu nehmen. Der in dm Anschauungen seines Vaters erzogene Sohn würde sicher nichts über diese jüdische Denkungsart berichtet haben, wenn Vater