Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1900)
- Article
- Frankfurt a. M.
- Date
- 1900-05-01
- Page
- 278 (sequence 1)
- Language
- German
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278 Im deutschen Reich. L. Frankfurt a. M., 4. Mai. Unser geschätztes Vereinsmitglied Dr. S a l o A d l e r ist am 24. v. Mts. feierlich als Direktor der Real- und Volksschule der hiesigen israelitischen Gemeinde in sein Amt eingeführt worden. Nachdem Provinzialschulrath Otto aus Cassel in rühmenden Worten des Vorgängers des Herrn Dr. Adler gedacht, wies derselbe auf Dr. Adler's bisherige erfolgreiche Thätigkeit hin, überreichte ihm die Bestallungsurkunde uud verpflichtete ihn Namens der Staatsregierung. Der Präsident des Schulrathes, Anton Hochheimer, begrüßte den neuen Direktor mit dem Ausdrucke der Hoffnung, daß derselbe im Sinne und Geiste seiner verdienstvollen Vorgänger wirken werde. Direktor Dr. Adler dankte hierauf für das in ihn gesetzte Vertrauen und führte dann in eindrucksvoller Rede aus, wie er schon seit seiner Jugend mit Verehrung zu der Anstalt emporgeblickt, die der deutschen Judenheit vielen Segen gebracht habe. Gesang des Chors der Knabenschule schloß die Feier. München, 10. Mai. Der Redakteur L. W e n g g, der als Anführer jener antisemitischen Radau-Gesellschaft, welche die Lucian- Brunnen-Versam mlung im Kreuzbräu in skandalöser Weise sprengte, hatte damals den Kellnerinnen versprochen, den ihnen verursachten Schaden voll zu vergüten. Da er sich aber bis jetzt nicht bequemte, den geringen Betrag von 8,14 Mk. trotz dreimaliger Mahnung der Kellnerinnen zu bezahlen, ist ihm von der „Münch. Fr. Presse" das Gedächtniß zur Erfüllung seiner Zusage aufgefrischt worden. K Marktbreit, 2. Mai. Das antisemitische Münchener „Deutsche Volksblatt" hatte s. Z. berichtet: „In Marktbreit, ehemals ein wohlhabendes Bauernstädtchen, jetzt ein veritables Judennest, ist ein „evangelischer Krankenverein", in deffen Vorstandschaft 1 Jude und 2 Judenfrauen sitzen! Daher der Name „evangelischer". Ebendortselbst hat der Magistrat beschlossen, dem pensionierten Rabbiner jährlich 400 Mk. Pensionszuschuß aus Gemeindemitteln zu bewilligen!" — Dies veranlaßtden Vorstand des Ausschusses Herrn kgl. Pfarrer I. Schußer Nachstehendes zu veröffentlichen: „Nach den Statuten des evangel.Krankenvereins können alle volljährigen Einwohner derStadtMarktbreit Mitglieder des Vereins werden, welche sich zur Entrichtung eines Jahresbeitrags von 3 Mk. verpflichten. Unter den 204 Mitgliedern des Vereins gehören 42 der israelitischen Religion an. Während nun die 162 Mitglieder der christlichen Religion im ganzen circa 600 Mark pro anno aufbringen, leisten die 42 Mitglieder der israel. Religion circa 200 Mk. Es war mithin nur eine Forderung der Gerechtigkeit und Billigkeit, daß schon bei der Gründung deS Vereines von Seiten der Generalversammlung einstimmig den Mitgliedern