Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 4 (April 1900)
- Article
- M. M. Hannover
- Date
- 1900-04-01
- Page
- 230 (sequence 2)
- Language
- German
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230 Im deutschen Reich. Mittelstandes, besonders diejenigen Ostfrieslands, aufrichtig vertreten will." — Herr Dr. Moehlraann übersieht, daß der wackerste Ostfriese mit den Juden nicht in Frieden leben kann, wenn es seinem antisemitischen Vertreter im Reichstage nicht gefällt! P. R. Frankfurt a. M. Wie ein Antisemitenblatt berichtete, soll ein Angestellter des dortigen Zoologischen Gartens einen von den am Eingang aufgestellten Papageien die Worte sprechen gelehrt haben: „nix als Judde, lauter Judde." Auf Beschwerden von. jüdischer Seite soll der Portier entlasten und der Papagei umgebracht worden sein. Der Fall ist typisch für die antisemitische Bewegung, bei der die böswilligen Lehrmeister immer glimpflich wegkommen und die dummen Papageien., welche die Hetzreden gedankenlos nachplappern, schwer büßen müsten. N. M. Dresden. Wenn das dortige Antisemiten-Organ „Deutsche Wacht" Herrn Dr. Scharlach aus Hamburg, der kürzlich auf Veranlastung des „Deutschen Flottenvereins" im Kroll'schen Saale einen Vortrag über „Flotte und Kolonien" gehalten hat, zum Juden macht, ist dies vom Standpunkte des Raste-Antisemitismus erklärlich. Die „Deutsche Wacht" schrieb: „Das ist ja alles recht schön vom Herrn Scharlach. Aber daß das Vaterland des Scharlach unser Deutschreich sein soll, und daß ein deutscher Flottenverein sich die Flotte von Juden zusammenreden lasten müßte, das glaubt doch kein Deutscher. Wir wollen keine koschere, sondern eine deutsche Flotte!" Wir verweisen Sie auf die Briefkasten-Notiz O. K. Hamburg S. 173 unseres vorigen Heftes, nach welcher das Hamburger Blatt „Echo" von Herrn Dr. Scharlach schrieb, daß er durch Maßregelung des sozialen Pastors Hillmann „die christliche Kirche" vor dem Eindringen sozialer Gedanken habe schützen wollen. Eine „koschere" Flotte dürfte von ihm also kaum zu erwarten sein. O. S. Leipzig. Die „Deutsch-Sozialen Blätter" Liebermann'S bringen folgende drollige Notiz: „35 000 Juden werden gesucht. Der „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", den man kürzer auch „Denunzianten-Verein" nennt, gab in einem Aufrufe vom 1. Juli v. I. die Zahl seiner Mitglieder auf 45 000 an, während drei Monate spater in der offiziellen Zeitschrift des Vereins, der Monatsschrift „Im deutschen Reich" (Nr. 9, Seite 461) zu lesen ist: In den ersten Jahren unsers Bestehens hatten wir kaum einige 100 Mitglieder, dagegen 1894 schon 3400, jetzt über 10 000. Da ist wohl die Anfrage erlaubt, wo die 35 000 Mitglieder vom 1. Juli geblieben sind!" — Auf diese gefällige Anfrage erwidern wir ergebenst, daß der Central-Derein am 1. Juli 1699