Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 4 (April 1900)
- Article
- C. R. Gleiwitz
- Date
- 1900-04-01
- Page
- 229 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 229 beschicken worden und hatte mit Rücksicht auf den jüdischen Neujahrstag trotzdem den Termin nicht wahrgenommen. Dafür verurtheilte ihn die dortige Strafkammer zu 20 Mark Geldstrafe und Tragung sämmtlicher Kosten. Da eine dagegen eingelegte Beschwerde von dem Oberlandesgericht zu Breslau trotz einer gegenteiligen Entscheidung derselben Behörde vom 3. April 1898 abgewiesen wurde, entschloß sich Herr L. ein Gnadengesuch einzureichen, welches ebenfalls abgewiesen worden ist, weil die Behörden, deren Gutachten eingefordert worden, dasselbe nicht befürwortet hatten. Das ist bedauerlich, da es sich dabei um einen Ge Wissenskonflikt handelte. P. 8. Görlitz. Das Berliner Antisemitenblatt ist darüber, daß unter den Siegesallee-Büstensich diejenige^des judenfeindlichen Ordensmeisters v. Feuchtwangen befindet, so hocherfreut, daß es sich sogar damit aussöhnt, daß auch Gotthold Ephraim Lesiing ein Standbild im Thiergarten hat. Daß sie im Gegensatz mit den meisten Geschichtsschreibern die Blüthezeit Spaniens nach der Vertreibung der Juden aus Spanien verlegt, stört die durch wisienschastliche Studien nicht getrübte Sachkenntniß der Redaktion so wenig, wie die stark zusammengeschmolzene Zahl ihrer Leser. Ihre offenbar für ein gebildetes Publikum nicht berechnete Logik beweist sie darin, daß sie sogar Lessing zu den Antisemiten zählt, „denn," sagt sie, „die feine Art, in der er im „Nathan" den Juden zeigt, wie sie — nicht sind, ist doch nichts als eine Anerkennung ihrer thatsächlichen Minderwertigkeit".— Allerdings muß er den Antisemiten sehr nahe gestanden haben, die er im Patriarchen so zeichnet, wie sie thatsachlich sind! M. M. Hannover. Ehe der nationalliberale Kandidat für die Reichstags-Nachwahl in Aurich - Wittmund - Wilhelmshaven, Dr. S emler, den Entschluß faßte, nicht durch das eaudinische Joch des Bundes der Landwirthe zu kriechen, wird er sich wohl überzeugt haben, daß der Bund in jenem Wahlkreise durchaus nicht allmächtig ist. Wäre er dies, dann würde er einen eigenen Kandidaten ausgestellt und sich nicht in letzter Stunde noch für den Herausgeber der „Staatsbürger- Zeitung", Wilhelm Bruhn, entschieden haben, von welchem er anfangs durchaus nichts wissen wollte. Der Vorsitzende des Bundes der Landwirthe im 2. Hannov. Reichstagswahlkreise Dr. Moehlmann erklärte übrigens dabei ausdrücklich: „Wir wollen im hiesigen Wahlkreise wie bisher mit den Juden in Frieden leben; man darf uns aber nicht zumuthen, daß wir aus Furcht vor den Juden unS scheuen, einen Mann zu wählen, der wirthschaftspolitisch aus innerster Uebrrzeugung auf dem Boden des Schutzes der nationalen Arbeit steht und somit die Interessen des gesummten