Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 4 (April 1900)
- Article
- Hamburg
- Date
- 1900-04-01
- Page
- 217 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 217 gehülfen, sich wieder einmal an die OeffentlichkeiL zu wagen. Redner -sollte der Reichstagsabgeordnete R o s e n o w sein. Lange vor Beginn der Versammlung war der Saal des Hammonia-Gesellschastshauses dicht gefüllt. Dreiviertel aller Anwesenden waren Deutsch-nationale Handlungsgehülfen; der übrige Theil setzte sich zusammen aus meist jüdischsozialdemokratischen Handlungsgehülfen, Gehülfinnen und Arbeitern. Nachdem Herr Josephsohn die Versammlung eröffnet, verlangte Herr Richard Döring-Hamburg im Namen der anwesenden Deutsch-Nationalen Bureauwahl. Der Verbandsvorsteher der Deutsch-Nationalen, Herr W. Schack, begründete dies Begehren damit, daß die Deutsch-Nationalen in früheren Versammlungen stets in der freien Aussprache zu kurze Zeit zur Verfügung gehabt hätten. Als Herr Josephsohn bei dem ablehnenden Beschlüsse beharrte, drohten die Deutsch-Nationalen, sie würden die sozialdemokratischen Redner keinesfalls sprechen lassen. Der Lärm nahm einen drohenden Charakter an und man glaubte die Versammlung würde polizeilich aufgelöst werden; da plötzlich vertagte Herr Josephsohn die Versammlung auf 5 Minuten. Auf beiden Seiten wurde nunmehr unterhandelt wegen der Bureauwahl. Die Deutsch-Nationalen verlangten, daß Herr Josephsohn die Versammlung keinesfalls leiten dürfe, da derselbe kein Handlungsgehülfe mehr sei. Herr Josephsohn willigte in diesen Punkt ein; dafür sollte sein Parteianhänger Herr Segnitz die Versammlung leiten. Da die Sozialdemokraten für den Vorstand noch einen Juden namens Kohn präsentierten, kam keine Einigung zu Stande. An Stelle des verhinderten Reichstagsabgeordneten Rosenow sollte der sozialdemokratische ReichHtagsabgeordnete v. Elm sprechen. Derselbe griff auch wiederholt in die GeschäftSordnungsdebatte ein, aber die Erregung und die Zwischenrufe mehrten sich. Der Kampf um die Geschäftsordnung tobte volle zwei Stunden. An den angekündigten Vortrag war nicht mehr zu denken, da um 6 Uhr der Saal anderweitig vergeben war. Herr Josephsohn wollte noch eine Resolution zur Verlesung und Abstimmung bringen, wurde aber von den Deutsch-Nationalen daran verhindert, so daß die Versammlung völlig ergebnißlos endete." K Frankfurt a. M., 2. April. Der bekannte Besitzer des „judenreinen" ,Mlner Hofes", Hotelier Laaß, hatte sich als Mitglied zum TaunuSklub angemeldet, der ohne Rücksicht auf politische Stellung jeden unbescholtenen Mann als Mitglied aufnimmt. Wenn trotzdem Herrn. Laaß die Aufnahme versagt wurde, ist zweifellos fern den Frieden der Bevölkerung störendes Gebühren die Ursache gewesen. M München, 10. April. Ende Juli 1899 brannte die Parquetbodrnfabrik Biederstein ab. Damals erschienen im „Bayerischen