Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- Arnold Mann [Rezension]
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 175 (sequence 1)
- Language
- German
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176 KLchrrscha«. Arnold Mann. Liebet Eure Feinde. Eine apologetische Erzählung. Frankfurt a. M. Verlag von I. Kauffmann. 1900. Der Titel der Erzählung könnte zu der Annahme verleiten, daß der Verfasser die Absicht hatte, gegen die Behauptung zu polemisieren, daß das Judenthum gelehrt, den Feind zu hassen, das Christenthum aber durch das Gebot der Feindesliebe der Menschheit ein höheres Ideal gegeben habe. Der Verfasier hatte aber offenbar nur die -Absicht, zu zeigen, wie es mit der Erfüllung dieser Forderung i n der Wirklichkeit auf der einen und auf der andern Seite auösieht. Das ist ihm entschieden gelungen und in solchem Grade, daß derjenige Theil der Erzählung, der sich mit wirklichen Handlungen befaßt, weit wirksamer erscheint, als derjenige, der die Apologie im geistreichen Wortstreit erstrebt. Dabei zeigt eS sich, wie wir Juden am ehesten durch edle Thaten die Welt davon überzeugen, daß weder unsere Religionslehre, noch die Sittlichkeit ihrer Bekenner eine minderwerthige ist. Eine Wiederholung des Religionsstreits von Tortosa wäre jetzt weniger als je zeitgemäß, weil der irreligiöse Raffen-Antisemitismus den Bekennern des Christenthums noch größere Nachtheile als dem Judenthum zufügt, indem er, an die schlimmsten Instinkte: Neid, Argwohn und Hochmuth appellierend und Genußsucht und Zerstörungswuth entfeffelnd, den Mittelstand demoralisiert, der früher als die beste Stütze des Staates und der Kirche galt. Die Hauptperson der Mann'schen Erzählung S e l i g m a n n Feist ist eine sympathische Erscheinung, die das Interesse in hohem Grade fesselt. Außer diesem Charakterkopf ist aber nur noch der Antisemit Biesfeld scharf gezeichnet, während der in eine plumpe Falle gehende christliche Freund Feist's, Wegener, und die meisten übrigen Figuren der Erzählung dagegen etwas verblaßt erscheinen. Wenn in. .der Erzählung Licht und Schatten in noch objektiverer Weise vertheilt und immer das einfach Menschlich-Rührende mehr als die Tendenz betont wäre, dann würde der Zweck eher erreicht werden, den Leser davon zu überzeugen, daß der blöde Judenhaß unsittlich und unmenschlich ist und deshalb auch jedem edlen Christen als „unchristlich* gelten sollte. Immerhin verdient die Mann'sche Erzählung einen größeren Leserkreis, denn sie enthält manches Schöne und Gute, und in bedeutenden Dingen ist schon der Wille werthvoll und dankenswerth. A. L».