Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- M. R. Berlin
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 171 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 171 Namschbazare heute entstanden, um morgen zu entschwinden, so zeugt dies nur für seine durch Sachkenntniß nicht getrübte Voreingenommenheit. Wenn er vorher bei Liebermann von Sonnenberg sich über die Geschichte des Hauses Hertzog und bei Herrn Stöcker über diejenige des Hauses N. Israel erkundigt hätte, würde er besser orientiert gewesen sein. E. H. Berlin. Am 12. März druckte die „Staatsbürger-Ztg." aus dem „Berl. Tageblatt" ohne Quellenangabe den vollen Wortlaut einer Ansprache ab, mit welcher der Kaiser den Landwirthschastsrath geschlossen haben sollte. Schon am anderen Tage schrieb das Antisemitenblatt: „WieJudenzertungen es machen. Tie angebliche Rede, mit der der Kaiser den Landwirthschaftsrath geschloffen haben soll (siehe Abendausgabe), erweist sich als eine Erfindung des „Berliner Tageblatts", hinter der sich offenbar die Absicht der Scharfmacherei gegen die den Juden und Judengenoffen so verhaßten Agrarier verbirgt." Da merkt man doch nur den Aerger, daß die liebe „Staatsbürger-Ztg." wieder einmal „ohne Quellenangabe" abgeschrieben hat — und hinein gefallen ist! So machen es die Antisemiten-Zeitungen! P» K. Berlin. Die „Freche Judenjunaen" überschriebene Notiz braucht Sie nich» zu alterieren. Wenn es Juden gewesen waren, welche in das Gästebuch des „ K a i s e r k e l l e r s" die widerliche Eintragung gemacht, so würden die Namen festgestellt und in den Antisemitenblättern sicher veröffentlicht worden sein. Der Unfug im Kaiserkeller wird vielmehr von solchen Leuten herrühren, welche in Fremdenbücher, an die Wände der Bedürfnißanstalten u. a. Q. antisemitische Herzensergüffe anzuschmieren pflegen. O. Berlin. Wir halten den Bericht der „Volközeitung" für vollständig zuverlässig. Danach hat der Amtsrichter Freese in Laasphe im Wirthshause laut zu seinem Nachbar gesagt: „Die Juden werden nachgerade so unverschämt, daß man gut thut, ihnen mit der Reitpeitsche zu Leibe zu gehen!" Der an einem anderen Tisch sitzende jüdische Geschäftsreisende Kanter trat an den Tisch des Amtsrichters mit den Worten: „Wie kommen Sie dazu, sich in solcher Weise über die Juden zu äußern, zumal Sie Amtsrichter sind?" Freese rief den Wirth herbei, damit er ihm „Ruhe verschaffe". Nachdem noch verschiedene . gereizte Aeußerungen auf beiden Seiten laut geworden, nannte Freese den Kanter einen „unverschämten Kerl", worauf dieser zurückgab: „Sie können mich garnicht beleidigen!" Kanter strengte hierauf gegen den Amtsrichter eine Klage an. Das Siegener Schöffengericht erkannte aber nach dem „Sieg. Dolksbl.", daß Amtsrichter Freese zwar der