Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- G. L. Berlin
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 171 (sequence 2)
- Language
- German
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170 3m deutschen Reich. sehener katholischer Industrieller in Köln a. Rh., Hermann, die Verlobung seiner beiden Töchter mit altadligen preußischen Offizieren anzeigte, veröffentlichten antisemitische Blätter die in Kiautschau erfolgte Verhaftung eines gleichnamigen Berliner Kaufmanns, sowie deS Matrosen Fuchs aus Kiel unter der wahrlich auf die Antisemiten bester als auf die Juden anzuwendenden Spitzmarke: „Sie könnend nicht lassen!" G. 8. Berlin. Die „Staatsbürger-Zeitung" schreibt: „Es ist viel davon gesprochen worden, daß der Rabbiner Rosenthal in Breslau in der Synagoge Veranlastung genommen habe, die Herzen und Geister seiner Andächtigen für die neue Flotlenvorlage zu begeistern. Die „Jüdische Presse" erklärt jetzt, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort sei. Es wäre auch verwunderlich gewesen, wenn ein Rabbiner in dieser Art für die Flotte eingetreten wäre; denn die Juden sind bekanntlich keine Wasterfreunde, sie machen sich nicht gern naß." — Darin unterscheiden sie sich von den Antisemiten, von welchen sehr viele nie hinter den Ohren trocken werden. Uebrigens ist die der „Staatsbürger-Zeitung" bekanntlich sehr nahestehende Magdeburger „S a ch s e n s ch a u" über die Stellung der Juden zur Flottenfrage anderer Meinung als das Berliner Antisemiten-Organ, da sie den Erfolg des flottenfreundlichen nationalliberalen Reichstags-Kandidaten Placke im Wahlkreise Kalbe-AscherSleben den Juden zuschreibt. Das Magdeburger Blatt behauptet, daß ihm anonym nachstehende Mittheilung zugegangen sei: „Unter den Israeliten in unserem Kreise ist die Weisung gegeben, für Placke zu stimmen. Es liegt im Jntereffe des jüdischen Volkes (?), daß die Flottenvorlage mit möglichster Majorität durchgeht, weil die zu erwartenden Anleihen den Israeliten große Vortheile bringen. Da die Antisemiten keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hätten, könne man getrost die Sozialdemokraten schießen lasten. Soweit ich unterrichtet bin, sind auch die Freisinnigen von den jüdischen Vertrauensmännern angewiesen, Mann für Mann für Placke einzutreten." — Von der „Sachsenschau" wird behauptet, sie habe das Schreiben des anonymen seltsamen Beurtheilers der Stimmung unter den Juden aus Diskretion den Flammen übergeben. Das hätte sie lieber Lhun sollen, ohne den dummen Inhalt zu veröffentlichen. M. N. Berlin. Wenn der Oberpostassistent Siockmann in dem im „Bürgerverein Blücher" gehaltenen Vortrag über „die neue Waarenhaussteuer" die Behauptung aufftellte, die christlichen Spezialgeschäfte von Hertzog u. s. w. seien erst in der zweiten und dritten Generation Millionengeschäfte geworden, während die jüdischen