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Im deutschen Reich · 1900-03-01 · Heft 3 (März 1900) · p. 159

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 3 (März 1900)
Article
Wien
Date
1900-03-01
Page
159 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 159 an. Graetzer ist seit 1893 Pächter des gräflich Wrbna'schen Branntweinhauses in Holleschau. Im November vorigen Jahres lief die Pacht ab, wurde aber im Mai vom GüterdirekLor deS Grafen bis 1905 verlängert. Als nun bei den antisemitischen Excessen in Holleschau der Branntweinladen Graetzer's geplündert und in Brand gesteckt wurde, erklärte. der Graf, daß er die Pacht nicht verlängere und daS Verhältniß sofort löse, worauf Graetzer die Klage auf Anerkennung des Pachtverhältnisies einbrachte. Der Senat zu Ung. Hradisch verurtheilte den Grafen zur Anerkennung des Pachtverhältnisses bis 1905 und zum Kostenersatze. -j- Petersburg, 2. März. Anscheinend lassen sich die russischen Judengesetze nicht aufrecht erhalten. Wie der „Woschod" meldete, hat der Chef des Gouvernements Mohilew erklärt, daß dort viele jüdische Handwerker solide und schöne Arbeiten liefern, aber ihre Mühe nicht belohnt sehen, weil sie nicht die Rechte genießen wie die Handwerker in den inneren Gouvernements, und weil es so viele jüdische Handwerker giebt, daß das Angebot der Fabrikate bedeutend größer ist, als die Nachfrage. Der Genrralgouverneur von Kiew, Podolien und Wolhynien theilte der Regierung mit, daß die Städte des Westgebiets mit Juden überfüllt seien. Die Mehrzahl derselben seien Handwerker, aber nicht alle hätten die Möglichkeit, sich durch ehrliche Arbeit zu ernähren, und -so griffen viele zu zweifelhaftem Erwerb. Der Chef der Gebiete von Noworossisk und Beffarabien berichtete auS seinen Gouvernements ungefähr daffelbe und machte deshalb den Vorschlag, den jüdischen Ansiedelungs-Rayon gänzlich abzuschaffen, das heißt, den Juden volle Freiheit zu geben, sich wo immer im Reich aufzuhaltrn und ihrem Gewerbe so wie jeder andere nachzugehen.

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