Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- Frankfurt a. M.
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 153 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. ISS mit dem Schwert wagen, um das „fremde Gesindel" zu Tod zu jagen, das keinen Sinn für Mildthätigkeit, kein Verständniß für Kunst und Wisienschast besitze! Er, der das erste Mal nach Frankfurt und natürlich auch in den Palmengarten gekommen ist, hat dort fast nichts gesehen als Juden und einen einzigen Vertreter der germanischen Nation, einen Husaren Offizier — oh der Schmach, Germania verhülle dein Haupt! — sich mit Juden belustigend! In diesem Ton ging es unter dem Jubel der Versammlung bis zum Schluß. Auf den Herrn Grafen folgte Herr Reichstagsabgeordneter Bindewald, der für die Buren eintrat. Die Hauptschuld an dem Krieg haben die — Juden. An den Kaiser wurde eine Resolution mit dem Ansinnen gerichtet, für das Burenvolk einzutreten. Eine zweite Resolution spricht den Buren die volle Sympathie der Versammlung aus." JSJ München, 8. März. Die „Allgemeine Zeitung" schreibt: „Ein Skandal, wie er in München selten gesehen wurde, trug sich am 6. d. Mts. im Restaurant Krugbräu zu: „Der Wiener Gemeinderath Lucian Brunner sollte im „Demokratischen Verein" über „Die Lage der Deutschen in Oesterreich" sprechen. Dr. Quid de eröffnete die Versammlung und hieß auch die Gegner willkommen. Ms er dem Redner des Abends das Wort erlheilen wollte, erhoben sich die etwa die Hälfte des Saales einnehmenden Antisemiten und Mitglieder katholischer Vereine und verlangten lärmend die Bureauwahl. Quidde's Erklärung, „eine Versammlung, die wir einberufen, leiten wir selbst", wurde mit ohrenbetäubendem Pfeifen, Klatschen und Zischen beantwortet. Der Antisemitenführer W e n g g ruft: „Laßt den Juden reden". Quidde apellierte an die den Gegnern gewährte Gastfteundschaft und sicherte — während fortwährend tobender Lärm herrschte — allen volle Redefreiheit zu. Der anwesende Polizeikommifsar sah sich wegen des sich noch immer steigernden Tumultes genöthigt, die Versammlung sofort zu schließen. Danach erhob sich ein Radau, der sich kaum beschreiben laßt. Gemeinderath Brunner ruft: „DaS sind deutsche Männer." Wengg bringt fortwährend Hochs auf Lueger aus und ladet die Juden ein. morgen in'S katholische Kasino zu kommen. Gastwirth Kern spielt unter unbeschreiblichem Lärm den Lueger-Marsch. Mehrere Juden werden mit Fäusten, Maßkrügen und Bierglasern furchtbar geprügelt. Eier, Aepfel, Semmeln und Bierfilze fliegen durch den Saal; den die Demokraten zumeist verlassen. „RauS mit den Juden, schlagt sie nieder", und ähnliche Rufe übertönen den wüsten Lärm. Wengg erklärt, man solle den „schönen Sieg" gemüthlich feiern, den das