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Im deutschen Reich · 1900-03-01 · Heft 3 (März 1900) · p. 131

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 3 (März 1900)
Article
Ein verkanntes Proletariat
Date
1900-03-01
Page
131 (sequence 2)
Language
German
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Lin verkanntes Proletariat. 131 liche Weise ausgebeutet; auf den Schiffen wurden die Thiere besser behandelt als sie; man brachte sie in's dritte Zwischendeck und pferchte hier nach besonderer Vorschrift ihrer 400 zusammen, während sonst nur 300 Christen darin Platz fanden. Und wenn sie dann halb todt in New-Dork an's Land kamen, harrten ihrer neue Qualen. Mit Grausen denken die Auswanderer an den „Castle Garden", jenes riesengroße Auswandererlager, jenes „Fegefeuer", durch das die Ankömmlinge hindurch mußten, ehe sie den Boden der Dankees betreten dursten. Denn hier mißhandelte man sie ärger als Thiere, ließ sie selbst bei strömendem Regen draußen auf dem Hofe schlafen und gab sie dem Hungertode preis. Und wenn sie sich dann schließlich, zum Aeußersten getrieben, gegen diese unmenschliche Behandlung empörten, mußten sie ihr verzweifeltes Beginnen mit Schlägen, manchmal sogar mit dem Leben büßen. Keine Schilderung vermag die entsetzlichen Qualen wiederzugeben, welche die Juden vom Augenblick ihrer Ankunft in Amerika an zu erdulden hatten. Ihre Lage war noch schlimmer als die der neuen Ankömmlinge in London, denn die ihnen von ihren amerikanischen Glaubensgenoffen gewährten Hülssquellen versiegten angesichts der erdrückenden Auswandrerschaaren, die in das neue Land strömten ohne Geldmittel, ohne Kenntniß der Landessprache, in erschöpftem kraftlosen Zustande, nur von einer unbestimmten Hoffnung in die Zukunft geleitet. Was sollten die Aermsten beginnen, da sie sich so plötzlich aller Mittel entblößt, ohne jede Verbindung oder Unterstützung in die Großstädte der Vereinigten Staaten versetzt sahen? Wer noch ein paar Pfennige besaß, kaufte dafür Waaren und zog mit ihnen als Pedlar (Hausierer) schachernd von Haus zu HauS; die ungeheure Mehrzahl aber konnte dem Hungertode nur dadurch entrinnen, daß sie ohne Ueberlegung die erste beste Arbeitsgelegenheit ergriff. Es ist sehr schwer, eine mehr oder minder genaue Ziffer bezüglich der Zahl der jüdischen Arbeiter in den Vereinigten Staaten anzugeben. Sicherlich aber ist hier nicht nach Hunderten und Tausenden, sondern nach Zehntausenden zu rechnen. „In körperlicher Hinsicht sind die russischen Juden nicht stark und nicht verwendbar für Arbeiten, die eine bedeutende, durch ständige Uebung gestählte Muskelkraft erfordern, doch können sie arbeiten und arbeiten auch thatsächlich in denjenigen Beschäftigungsarten, die mehr beständige Aufmerksamkeit als Körper-

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