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Im deutschen Reich · 1900-02-01 · Heft 2 (Februar 1900) · p. 101

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 2 (Februar 1900)
Article
A. R. Berlin
Date
1900-02-01
Page
101 (sequence 2)
Language
German
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Briefkasten der Redaktion. 101 — Die antisemitische „Deutsche Wacht" bemerkt hierzu boshaft: „Wir haben nie daran gezweifelt, daß der „Dichter" Laust sich auf Reklame versteht. Wenn aber nun nicht in gewisten Blättern die Dichtersendung Lauff's mit vollen Backen gepriesen wird, wenn nun die 16 Gesänge der „Geißlerin" im März nicht in den Salons sämmtlicher Finanzdamen des Thiergartenviertels aufliegen, dann giebt eS keine Dankbarkeit mehr vom Hause Israel." — Da haben Sie Recht, Herr Berthold! 8. S. Berlin. In der am 1. d. Mts. abgehaltenen Stadtverordneten-Sitzung erklärte der Vorsteher Dr. Langerhans unter lebhafter Heiterkeit aller Anwesenden: „Es ist zu meiner Kenntniß gekommen, daß ein Mitglied der Versammlung, mit der Amts - kette geschmückt, einen Vortrag in einer Versammlung gehalten hat. Ich wollte nur bemerken, daß die Kette nur von denen getragen wird, die von der Versammlung abgeordnet werden. In anderen Fällen wird die Kette nicht getragen." — Diese Belehrung galt dem Herrn Rechtsanwalt Ulrich, welcher den goldenen Schmuck in einer antisemitischen Versammlung in der Arends'schen Brauerei zu Moabit getragen und dem „Ulk" dadurch einen dankbaren Stoff geliefert hat. Daß der antisemitische Stadtverordnete P r e tz e l bei einem Festmahl in Lauenburg seinen früheren Mitbürgern ebenfalls durch die goldene AmtSkette zu imponiren versuchte, ist erst später bekannt geworden. O. H. Berlin. Ueber die Verhaftung des Rentiers August Sternberg wegen der vielfach besprochenen „Modellgeschichte" ist von der antisemitischen Preste offenbar nur deshalb mit merklichem Behagen breitschweisig berichtet worden, weil sie den Glauben erwecken wollte, daß es sich um einen Juden handle. Es ist so oft schon wiederholt worden, daß Sternberg, der in der Gründerzeit zu den meistgenannten Börsenbesuchern zählte, sich jeder Zeit seiner Abstammung von einer Frankfurter Katholiken-Familie rühmte. Deshalb vermeiden die vorsichtigeren Antisemitenblätter, ihn jetzt gradezu als Juden zu bezeichnen; aber das „Bayerische Vaterland" hält diese Vorsicht für überflüssig und die Dresdner „Deutsche Wacht" gehört auch zu denjenigen Blättern, die sich das Vergnügen nicht versagen können, Sternberg zum Juden zu machen; sie fügt ihrem Bericht die Worte hinzu: „Ein netter Jude!" — Sollten die katholischen Herausgeber des „Bayerischen Vaterland" und der „Deutschen Wacht", Dr. Sigl und Oswald Zimmermann, wirklich nicht wiffen, daß ihnen Herr Sternberg naher steht als uns? Denken dieselben nicht daran, daß ihnen selbst bei der ersten Entgleisung das Schicksal bevorsteht, von ihren Parteigenossen als „nette Juden" bezeichnet zu werden?

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