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Im deutschen Reich · 1900-02-01 · Heft 2 (Februar 1900) · p. 100

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 2 (Februar 1900)
Article
Th. G. Berlin
Date
1900-02-01
Page
100 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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100 Im deutschen Reich. verfälschen. Der offenbare Zweck des Flugblattes war eine Reklame für die „Staatsbürger-Ztg.", die „Deutsche Wacht" und den „Deutschen Antisernitenbund". Aehnlichen Zwecken diente ein vielen Herausgebern von Provinzial-Zeitungen zugegangenes, von Otto Heinrich Böckler unterzeichn etes Rundschreiben, dessen Spitze sich gegen die „Berliner Ramsch-Presse" richtete und die Redaktionen aufforderte, eine beigefügte Notiz zu verbreiten, in welcher für das erwähnte Flugblatt Reklame gemacht wurde. Wenn die darin namhaft gemachten 14 Blätter sich diesen an „unlauteren Wettbewerb" streifenden Angriff ruhig gefallen lasten, ist das ihre Sache. A. R. Berlin. Es ist immerhin bemerkenswerth, daß sich auch Major Laufs, der als Dramaturg am Wiesbadener Hoftheater wirkende bekannte Dichter der Hohenzollern-Dramen, in einer Unterredung entschieden gegen den Antisemitismus ausgesprochen hat. Wie ein hiesiges Blatt berichtet, erklärte er wörtlich: „Ich haste alle, die das Volk im falschen Wahne erziehen, der blöden Menge Unduldsamkeit lehren. In einem in vierfüßigen Jamben und in sechzehn Gesängen geschriebenen Epos „Die Geißlerin", das ich im März dem Truck übergebe, bekämpfe ich die Volksbethörer und deren Intoleranz. Das Epos spielt zur Zeit des Flagellanten-WahnsinnS im Mittelalter, aber ich wende mich darin gegen die Ausschreitungen und die Ausbeuter deS VolkswahnS zu allen Zeiten. Im Jahre 1348, zur Zeit der furchtbarsten Pestepidemie in Deutschland, ziehen die Flagellanten in Worms ein. Alsbald verdächtigt man die reichen Juden des Ghetto, die bisher in Folge eines vom Kaiser Heinrich IV. erlastenen Freibriefes die Vorrechte der Patrizier genosten, als Urheber der Seuche. Vergebens verschwendet der berühmte Rabbi Beer ben Toledo seine feurige Beredtsamkeit an das wahnbethörte Volk; die Befehle des gesetzesstrengen Oberbürgermeisters, der die Juden in Schutz nimmt, werden mißachtet ..." Auf die Zwischenfrage ob in der Dichtung der Antisemitismus zum Sieg gelange, antwortete Major Laufs: „Wie jeder Volkswahn zu allen Zeiten für kurze Zeit. Denn es lauert das rächende Verhängniß; ich versinnbildliche es in meiner epischen Dichtung als den personifizierten Tod, der einherschreitet." Auf den ferneren Einwurf, ob die Dichtung in philosemitischer Tendenz gehalten sei, erwiderte der Dichter: „Ja, sie nahm diese Tendenz immer mehr an, während ich in den alten hebräischen Dokumenten, die ich mir aus Worms kommen ließ, studierte. Aus ihnen lernte ich die Sabbath-Gebräuche der spanischen Juden des Mittelalters, welche ich in meiner Dichtung genau schildere, aus ihnen lernte ich echte Toleranz, wahre Menschlichkeit und Nächstenliebe."

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