Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-02-01
- Page
- 97 (sequence 1)
- Language
- German
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97 KereinsrmchrichLerr. t^ie bereits im Januar-Heft kurz berichtet wurde, hat die am 20. Januar im Gewerbehaussaale zu Görlitz abgehaltene Central-Vereins -Versammlung einen sehr befriedigenden Verlauf genommen. Herr Rechtsanwalt Dr. jur. Horniger, der die Versammlung leitete, begrüßte mit warmen Worten die zahlreich Erschienenen, besonders den als Vertreter des Vorstands anwesenden Herrn Dr. O. Wiesenthal aus Berlin und Herrn Dr. Julius Moses aus Liegnitz, welcher den Hauptvortrag zugesagt hatte. Zunächst wies Herr Dr. W i e s e n t h a l aus die Bedenken hin, die, wie überall, wo man über die Ziele des Vereins nicht genügend unterrichtet sei, so auch in Görlitz gegen einen Zusammenschluß aller deutschen Juden erhoben würden. Daß dadurch der Argwohn Andersgläubiger geweckt und der Friede da, wo er bestehe, gefährdet werden könne, sei ein verhängnißvoller Jrrthum. Offenes und mannhaftes Eintreten für Recht und Wahrheit, für Ehre und Freiheit werde jeder ehrenhafte Christ billigen muffen. An diese mit lebhaftem Beifall aufgenommene Einleitung schloß sich der Vortrag des Herrn Dr. JuliuSMosesan, welcher sich bei der Behandlung des Themas „Der Antisemitismus und seine Bekämpfung" wiederum als eine rednerische Kraft ersten Ranges bewährte und dessen zündenden Ausführungen die Zuhörerschaft mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte. Der Redner schilderte die Entstehung des Antisemitismus, beleuchtete die einzelnen Phasen desselben und er* örterte dann die einzelnen Abwehrbestrebungen, wobei er darlegte, daß wirkliche Erfolge nur auf dem vom Central-Verein betretenen Wege erzielt werden .könnten. Er bewies dann eingehend die Nothwendigkeit der Existenz des Vereins, die Idee seiner Gründung und seine Erfolge unter Anführung von Beispielen und schloß damit, daß es Ehrenpflicht eines jeden Juden sei, sich unseren Bestrebungen anzuschließen. Hierauf erläuterte Herr Dr. Wiesenthal, wie der Verein stets auf streng gesetzlicher Grundlage im vollsten Lichte der Oeffentlichkeit vorgehe. Zur Anbahnung besserer Zeiten sei eS aber unumgänglich nothwendig, daß man nicht nur wehklage und in falscher Scheu und Vornehmheit nur ja recht still bleibe und sich ducke, sondern daß alle deutschen Juden ftei und offen für die ihnen in der Verfassung gewährleistete Gleichberechtigung eintreten