Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1900)
- Article
- München
- Date
- 1900-02-01
- Page
- 95 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 95 Neuesten Nachrichten", dem „Deutschen Volksblatt" und der „Wiener Neuen Freien Presse" bekannt zu machen. Bei der Schwere der einem Mann von geistlichem Beruf zugefügten Beleidigung, welche dessen ganzes Ansehen in der Gemeinde untergraben konnte, und bei den vielen Vorstrafen des Angeklagten sah das Gericht nur eine Freiheitsstrafe als ausreichende Vergeltung an, wenn auch Wengg zu gute gerechnet wurde, daß er die in Oesterreich verbreiteten Gerüchte vielleicht in gutem Glauben wiedergegeben haben dürfte. Schweinfurt, 5. Februar. Dem Anträge des Redakteurs Memminger entsprechend, ist der in dem Fleischb e s u d e l u n g s - P r o z e ß auf den 8. d. M. angesetzt gewesene Termin vertagt worden, wie verlautet, um einige Gutachter zu laden. Mittlerweile wurde aber bereits einer der Verbreiter jener unsinnigen Verleumdung bestraft. Der Metzger Heinrich Haller in Gerolzhofen hatte zu einem Wirth, der von dem jüdischen Metzger Klein Fleisch bezieht, gesagt, er wolle noch einen Schoppen Wein, obgleich der Wirth „verp . . stes" Fleisch kaufe. Daraufhin wurde von dem Amtsgericht Gerolzhofen der Metzger Haller wegen unlauteren Wettbewerbs zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilt. Aus gleichem Grunde ist noch gegen mehrere andere Personen Klage erhoben. 4, Karlsruhe i. B., 4. Febr. Der „Badischen Landeszeitung" ging aus Heidelberg die Meldung zu, daß die dort von der Klaffe der Höchstbesteuerten vorgenommene Stadtverordnetenw a h l eine kleine Ueberraschung gebracht habe. Die nationalliberale Partei hatte auf Grund eines Kompromisses den Antisemiten in der obersten Klaffe einen Sitz bewilligt, was in der Partei selbst erhebliche Opposition fand. Dieser Opposition ist eS gelungen, den Antisemiten zu Fall zu bringen. © Amsterdam, 8. Februar. Der im Dorfe Appelteren bei T i e l verübte Ritualmord ist nicht, wie deutsche Antisemitenblätter ausgesprengthaben, vonJuden, sondern von einer protestantischen Sekte verübt worden, deren Vorsteher Scherf auf freiem Gemeindeplatze einen Bauernknecht unter dem Vorwände abschlachtete, daß derselbe vom Teufel besessen sei. Scherf und zwanzig Mitglieder seiner Sekte tauchten unter Absingen von Psalmen ihre Hände in das Blut des Ermordeten. Frau Scherf, welche den religiösen Wahnsinn ihres Mannes bemerkte, machte der Polizei Anzeige, worauf mehrere Sektenmitglieder nach harter Gegenwehr festgenommen wurden. Frau Scherf erklärte dem Untersuchungsrichter, daß ihr Mann ursprünglich seine fünf kleinen Kinder zu Ehren Gotteöffentlich abschlachten